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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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0. Die deutschen Schutzgebiete in der Südsee.

Nacht in einem Hause zu, auf welches der Chef, welcher die Operation vollziehen soll, den Gott herab beschwört; ein vernehmbarer Ton, ein Pfeifen, foll seine Zustimmung kund geben. Bleibt dieses Zeichen aus, so unterbleibt auch die Operation, daher sie an etlichen nie vollführt wird. Im Fall der Übertretung würde das Meer über die Insel kommen und alles Land untergehen. Vom Meere bedroht wohlbekannte Gefahr allein den Inseln, und der religiöse Glaube verhängt oft diese Rute über die Menschen. Dagegen helfen aber Beschwörungen. Kadu hat auf Radack das Meer bis an den Fuß der Kokosbäume steigen sehen, aber es wurde beizeiten besprochen und trat in seine Grenzen zurück. Er nannte uns zwei Männer und ein Weib, die auf Radack diese Beschwörung verstehen.

Die wüste Inselgruppe Bigar hat ihren eigenen Gott. Der Gott von Bigar ist blind; er hat zwei junge Söhne namens Nigabuil, und die Menschen, die Bigar besuchen, nennen einander, so lange sie da sind, Nigabuil, damit der blinde Gott sie für seine Söhne halte und ihnen Gutes tue. Anis darf auf Bigar nicht angerufen werden, der Gott würde den, der es täte, mit schwerer Krankheit und mit Tod schlagen. Unter einem Baume von Bigar werden Opfer von Früchten, Kokos usw. dargebracht. Daß in die Gruben Wasser quelle, helfen wohl und ohne Fehl ausgesprochene Beschwörungsformeln, denn, ist der Erfolg ungünstig, so ist etwas versehen worden, und die Worte wurden nicht recht gesagt. Es ist überall wie bei uns. Bei Bigar dürfen die Haifische dem Menschen nichts tun, Gott läßt es nicht zu. Von allen Gruppen Radacks aus wird Bigar über Udirik besucht, nur die aus Eiln dürfen es nicht un­mittelbar. Sie müssen einen Monat auf Udirik verweilen, bevor sie hinfahren, und müssen nach der Rückkehr einen anderen Monat auf der­selben Gruppe verharren, bevor sie von dem mitgebrachten Vorrat ge­nießen.

Tanz der Marshallinsulaner.i)

Das Erscheinen Lebons ist das Signal für den Beginn des Tanzes. Die Frauenzimmer stimmen, sobald Lebon sich ihnen bis auf zwanzig Schritt genähert hat, begleitet von dem einförmigen Tam-Tam ihrer Trommeln, einen monotonen Gesang an. Die Trommel, ein ausgehöhltes Stück Holz in Form eines Stundenglases, auf der einen Seite mit Fisch­haut überspannt, auf der anderen offen, wird mit der einen Hand auf dem Schoß gehalten und mit der flachen anderen Hand geschlagen; der Gesang enthält nur wenige sich stets wiederholende Strophen, welche auf den König Bezug haben. Der König kommt in raschem Schritt und guter Haltung würdevoll angegangen, hält in der Mitte vor den Reihen der singenden Frauenzimmer, sieht sich mit mutigem Blick nach allen

i) B. v. Werner:Ein deutsches Kriegsschiff in der Südsee", S. 369.