III. Die Marshallinseln.
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schulzen) und die Kayur (gemeine Leute). Nur die beiden ersten Klassen besitzen Grundeigentum; die Ortsvorsteher verwalten dasselbe für die Häuptlingsklassen, und die Kayur haben lediglich das Recht des Fischfangs und der Bodenbenutzung. Bei Heiraten unter Augehörigen verschiedener Klassen folgen die Kinder dem Range der Mutter.
Neben den Eingeborenen wohnen auf den Inseln zahlreiche Chinesen, die aber wie überall in ihre Heimat zurückkehren, wenn sie genug erspart haben, um in China leben zu können, und 172 Weihe, unter denen die Engländer in der Überzahl sind.
Produktion des Landes. Gewerbeflcisz. Handel und Verkehr.
Das Haupterzeugnis der Inseln ist die Kokosnuß, die nicht nur zur Nahrung dient, sondern deren getrockneter Kern, die Kopra, auch in großen Mengen ausgeführt wird. Beliebte Nahrungsmittel sind ferner die Früchte des Brotfruchtbaums und des Pandangs, die Banane, die Wurzel des Taro, das aus einer Wurzelknolle gewonnene Arrowroot- mehl, die Früchte des Melonenbaumes usw. Auf diese Erzeugnisse beschränkt sich auch der Ackerbau der Eingeborenen, der mit europäischen Geräten betrieben wird. Körnerfrüchte werden weder hier, noch überhaupt in der Südsee gebaut. Mehrere europäische Firmen haben größere Kokosnußpflanzungen angelegt. Für die Viehzucht fehlt eine wichtige Vorbedingung, nämlich geeignete Futtergräser. Als Haustiere werden Hunde, Katzen und Schweine gehalten, auch Hühner und Enten, welch letztere man aber nur bei feierlichen Gelegenheiten verspeist. Dagegen wird der Fischfang rege betrieben; die Jagd auf Haifische ist bereits erwähnt. Besondere Leistungen haben die Eingeborenen im Bootsbau auszuweisen; eine kleine Schiffsbauanstalt auf der Plantage Liekieb arbeitet sogar für den Bedarf auf den benachbarten Gilbert- und Karo- liueuinseln. Die Hauptausfuhr besteht in Kopra und Phosphat. An Kopra erzeugte die Inselgruppe 1910 3277 Tonnen. Phosphat kommt von der unter dem Äquator gelegenen Insel Nauru. Es ist phosphor- saurer Kalk und ist entstanden durch chemische Verbindung des durch die mächtigen tropischen Regengüsse aufgelösten und ausgelaugten Vogeldüngers mit dem Korallenkalk. 1910 wurden von diesem vielbegehrten Düngemittel 142 675 Tonnen im Werte von 8^/2 Mill. -45. vorwiegend nach Australien und Japan, aber auch nach Deutschland und den Vereinigten Staaten verschifft. Die Gesamteinfuhr betrug 1,3 Mill. -45., die Ausfuhr dagegen 9,4 Mill. -45.
Auf Jaluit und Nauru sind Postagenturen. Durch einen Dampfer der Jaluitgesellschaft erhält das Schutzgebiet jährlich sechsmal eine Verbindung mit der Heimat über Hongkong; seit einiger Zeit besteht auch eine Verbindung mit Europa über Sidney.