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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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6. Die deutschen Schutzgebiete in der Südsee.

Pflanzen- und Tierwelt.

Viele Inseln sind lediglich mit Korallentrümmern und weißem Sand bedeckt, nur an wenigen Stellen hat sich eine stärkere Humusschicht ge­bildet. Wv das letztere der Fall ist, ist eine immerhin ziemlich reichliche Vegetation zur Entwicklung gelangt, die aber nur wenige Arten ausweist. Nach Nordeil zu wird die Pflanzendecke immer ärmlicher; neben Farn­kräutern, Wolfsmilchpflanzen und einigen Gräsern sind besonders die drei Charakterbäume der Südseeflora zu erwähnen: die in großen Mengen angepflanzte Kokospalme, welche den Hauptreichtum der Inseln aus­macht, der Brotfruchtbaum, der den Eingeborenen ein wichtiges Nah­rungsmittel liefert, und der Pandang, der von den Eingeborenen in vierzig Spielarten gezogen wird.

Auch die Tierwelt ist nur wenig vertreten; alle größeren Säuge­tiere aber, Schlangeu und Frösche fehlen gänzlich. Hunde, Katzen und Schweine sind indessen seit langem eingeführt, Ratten und Mäuse von den Schiffen eingeschleppt worden. Einheimisch sind nur eine Fledermaus- art, Eidechsen, mehrere Krabbenarten usw.

Reicher ist die Vogelwelt vertreten. Neben einer Tauben- (Frucht- taube) und einer Kuckucksart finden sich zahlreiche Wat- und Schwimm- vögel. Ameisen und Moskitos werden ebenso lästig wie Skorpione und Skolopendren. Auch Schmetterlinge und Käfer kommen in einigen Dutzend Arten vor. Um so reichlicher ist das Wasser bevölkert. Fische und Krustentiere finden sich in unerschöpflicher Menge und zahlloseil Arten. Neben der wertvollen Perlmuschel bemerkt Ulan die zentner­schwere Niesenmuschel. Haifische sind häufig und werden wegen ihrer Flossen, die in China als Leckerbissen gelten, viel gefangen. Auch Seegurken (Trepang) werden gesammelt.

Bevölkerung.

Die Bevölkerung beträgt etwa 10 500 Seelen, was eine ziemlich hohe Volksdichte ergibt. Die Marshallinsulaner sind Mikronesier; sie sind mittelgroß, schlank, kräftig, von gelbbrauner bis dunkelbrauner Haut­farbe, langem, schwarzem Haarwuchs und spärlichem Bart. Von sanfter Gemütsart und intelligentem Wesen, sind sie andererseits phlegmatisch, zur Arbeit wenig geneigt und der Lüge ergeben, sowie Anwandlungen voll Heimtücke unterworfen. Ihre ursprüngliche einfache Tracht und die in großen! Umfange geübte Tätowierung werden unter dem Einfluß der Mission bald gänzlich verschwunden sein. Ihre Nahrung besteht haupt­sächlich aus Pflanzenkost und Fischen. Das Tabakranchen ist sehr beliebt, die Einfuhr von Spiritussen von der Regierung glücklicherweise verboten.

In sozialer Hinsicht zerfällt die Bevölkerung in vier Klassen, die Jrodj (Oberhäuptlinge), die Bnrak (Häuptlinge), die Leataketak (Dorf-