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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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III. Die Marshallinseln.

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oberfläche hinausragen. Nur die Insel Nauru, die abgesondert im Süden, säst unter dem Äquator liegt, zeigt eine Erhöhung von 4070 m über der Meeresoberfläche, was wohl auf spätere vulkanische Hebung des Untergrundes zurückzuführen ist. Alle Riffe zeigen die gleiche Gestalt. Sie bilden in ihrem oberen Teile einen durch zahlreiche Einschnitte (sogenannte Passagen) zerrissenen Kranz, welcher eine 3050 m tiefe Lagune einschließt. Nur die höchsten Teile dieses Kreuzers (den man auch Atoll, Ninginsel oder Laguneninsel nennt), überragen in der Flutzeit das Wasser. Das Atoll Kwadjelin wird durch die zahlreichen Durch­brechungen des Niffkranzes in 80 kleine Inseln zerlegt. Auch Jaluit besteht aus 55 Teilinseln; andere Atolle sind weniger zerrissen. Meist haben die Niffkränze nur eine Breite von wenigen 100 Fuß. Doch erreicht z. B. die Hauptinsel des Atolls Madjuru (Medjeru) eine Breite von einem Kilometer (über 50 üra lang). Die Natakreihe besteht aus 15, die Rälikreihe aus 18 Ringinseln.

Daß bei der geschilderten Beschaffenheit der Inseln von Flußwasser­läufen nicht die Rede sein kann, leuchtet ohne weiteres ein; Quellen und Bäche fehlen'wegen der porösen Natur des Untergrundes vollständig.

Klima. Gesnndheitsverhältnisse.

Das Klima ist tropisch, sehr warm und feucht. Die Temperatur zeigt große Gleichförmigkeit und beträgt in Jaluit im Mittel etwa 27 o 0. Auch der Unterschied zwischen Tag- und Nachttemperatur ist kaum merklich. Die Niederschlagsmengen sind ungewöhnlich hoch (zirka 4500 inm) und treffen fast alle Monate des Jahres gleichmäßig. Nur Januar und Februar sind mitunter etwas weniger regenreich. Der Unterschied der Jahreszeiten ist also auch in dieser Beziehung nahezu verwischt. Den stärksten Negenfall haben Jaluit und Madjuru; die nördlicheren Inseln sind dagegen regenärmer. In Nauru im Süden gibt es zu Zeiten sogar sehr trockene Jahre. Im allgemeinen herrschen östliche Winde vor. Vorn Dezember bis April weht der Nordostpassat, während in den übrigen Monaten östliche und südöstliche Winde aufzu­treten pflegen. In den Monaten August bis November sind Windstillen nicht selten, aber auch Südwestorkane treten in dieser Zeit mitunter auf und richten furchtbare Verheerungen an. Da Sumpfbildung infolge der Natur des Untergrundes ausgeschlossen ist, so fehlen die Fieberkrank­heiten trotz des Tropenklimas vollständig. Dagegen wirken die an­dauernd hohe Temperatur und der starke Feuchtigkeitsgehalt der Luft auf Herz, Niere und Lunge der Europäer ungünstig ein. Die Lungen­schwindsucht Pflegt besonders stürmisch zu verlaufen. Auch Rheumatis­mus der Muskeln und Gelenke ist nicht selten.

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