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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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6. Die deutschen Schutzgebiete in der Südsee.

Tauschhandel. *)

Eilt allgemeines Tauschmittel gibt es bisher im Schutzgebiet noch nicht. Finsch will an einzelnen Plätzen eine Art Muschelgeld vorgefunden haben, so ant Dallmann-Hafen, Venus-Huk und in der Nähe des Terrassen- landes, und diesem gleich aufgereihte Hundezähne an anderen Orten, jedoch ist er sich seiner Sache nicht ganz sicher, und in keinem Falle dürfte das Muschelgeld hier schon die Bedeutung eines solchen allgemeinen Tauschmittels haben wie das Diwarra-Geld im Bismarck-Archipel, ohne das man in dem dortigen Handelsverkehr jetzt nicht mehr auskommt.

Im Tauschverkehr mit den Weißen richtet sich der praktische Sinn der Eingeborenen mehr und mehr auf Eisen, wenn es auch im Innern und selbst an der Küste noch viele Plätze gibt, wo Eisen ganz unbekannt ist, so am Caprivi-, Ramu- und Rüdiger-Fluß. Von einem eigentlichen Handelsverkehr zwischen Europäern und Eingeborenen kann in Kaiser Wilhelmsland noch nicht die Rede sein, und es wird bei der Schwer­fälligkeit und Bedürfnislosigkeit der Eingeborenen noch eine geraume Zeit vergehen, bis ein solcher sich entwickelt. Ein fernerer Grund dafür, daß bisher von einem nennenswerten Tauschhandel zwischen Eingeborenen und Weißen in dem Schutzgebiet nicht gesprochen werden kann, mag darin gefunden werden, daß gerade in der unmittelbaren Nähe der Station abgesehen vielleicht von den Ansiedelungen am Berlin-Hafen und auf den Missionsstationen die Bevölkerung sehr spärlich ist. Man hat in Friedrich Wilhelms-Hafen versucht, sogenannte Markttage einzurichten und die Eingeborenen zu veranlassen, an diesen Tagen sich mit ihren Handels­produkten aus der Station einzusinken. Sie kamen auch Wohl das eine oder das andere Mal, wollten aber die für den Markt bestimmten Tage nicht dauernd einhalten. Der Papua liebt den Zwang nicht, er kommt, wann es ihm beliebt oder sein Bedürfnis es gerade erheischt; dann will er aber auch, daß man ihm freundlich begegnet. Findet er aber gutes Entgegenkommen, so gewöhnt er sich vielleicht allmählich an Stetigkeit; vorläufig haben die Eingeborenen aber noch zu wenig Bedürfnisse, und sie kommen zum Markt nur dann, wenn sie das Begehren nach Tabak, der noch lange die erste Rolle als Tauschmittel bilden wird, dazu treibt. Bisher hält sich der Handel und Verkehr auch unter den Eingeborenen, wie wir gesehen haben, in sehr bescheidenen Grenzen, und durch Handel ist noch kein Papua in Kaiser Wilhelmsland zu Wohlstand gekommen. Die Gründe liegen mit in dem feigen Charakterzug des Volkes, der sie nicht über die Grenzen des Stammgebietes hinausgehen läßt, aus Furcht vor Verzauberung.

i) Dr. Krieger:Neu-Guinea", S. 225.