I. Kaiser Wilhelmsland.
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ein Baumhaus, das noch im Bau begriffen war. Solche Baumhäuser, die ich aus dem Innern von Port Moresby kannte, gehören zu den kunstvollsteil Bauwerken der Steinzeit. Denn es ist nicht so leicht in den Ästen und im Wipfel eines Baumes, oft in einer Höhe von 50 bis 60 Fuß, ein Haus zu bauen, das den Winden widersteht. Diese Häuser dienen als Festen und Warten, in welche sich die Dorfbewohner bei einem feindlichen Überfall zurückziehen. Die primitive Leiter aus Lianen, welche zu dem luftigen Bau führt, wird hinaufgezogen und die Festung ist zur Verteidigung fertig. Sie enthält außer Wasservorräten Unmassen von Wurfgeschossen in Gestalt von Speeren und Steinen, womit gar mancher Sturm abgeschlagen werden kann, wenn auch das Dorf in Flammen aufgehen sollte.
Betel und Kohos.
An weiteren Genußmitteln ist allgemein der Betel bekannt. Die etwa walnußgroßen gelben oder grünen Früchte der Betelpalme reifen in Büscheln. Die Papua entfernen zunächst die Faserhülle der Früchte
und genießen dann den inneren Kern mit der Zutat von pulverisiertem Kalk, den sie aus gebrannten Korallen gewinnen. Der erfrischende Nachgeschmack ist das Beste am Betel. Der Geschmack an sich ist beißend und säuerlich und zieht das Zahnfleisch zusammen, ähnlich wie Alaun, hinterläßt ferner die unangenehme Wirkung, daß er das Zahnfleisch und die Zunge rot und die Zähne bei andauerndem Gebrauch beinahe schwarz färbt.
Durch Vorhandensein reicher Kokosnußbestände zeichnet sich die Gegend an der Hansa-Bucht aus, ferner der Küstenstrich zwischen Berlin- und Dallmann-Hafen und darüber hinaus. Weitere Kopragebiete sind die Bertrand-, Matth- und Purdy-Jnseln. Auf den letzteren Pflegen nicht selten Eingeborene, Untertanen des holländischen Schutzgebietes, zu landen und sich längere Zeit auszuhalten, um die dortigen reichen Kokosnußhaiue zur Gewinnung von Öl auszubeuten, das sie dann in großen Kautschukflaschen nach ihrer Heimat bringen und vertreiben. Mit der Kopra- gewinnung haben sich unsere Schutzbefohlenen selbst noch nicht befaßt, haben auch bisher nur selten Gelegenheit gehabt, hierbei Europäern hilfreiche Hand zu leisten; auch pflauzen sie leider selbst noch keine Nüsse aus, verstehen sich daher lediglich auf ihren Konsum; nachdem sie mit einem scharfen Gegenstand die grüne Schale entfernt haben, reißen sie mit den Zähnen den festen Bast herunter, dann bohren sie in die harte Schale ein Loch und schlürfen besonders auf ihren Märschen mit Behagen das erquickende Naß. Der übrige schmackhafte Inhalt dient ihnen als Nahrungsmittel.
i) Dr. Krieger, „Neu--Guinea", S. 215.
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