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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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210 0. Die deutschen Schutzgebiete iu der Südsee.

von Gauß-Bucht liegen, da Dallmann-Hafen, mit Ausnahme von ein paar Häusern, unbewohnt ist. Unweit dieser Siedelungen in Gauß-Bucht mündet ein hübscher, leider unzugänglicher Fluß, der Herbert. Treffliche. Kultivationen, in denen hauptsächlich Bananen und Tabak (Sagum) ge­zogen wurden, lehnten sich unmittelbar an das für Papuanische Ver­hältnisse ebenso große als schöne Dorf Rabun oder Labuhn. Es zählte,, von Bäumen und Kokospalmen beschattet, an 20 Häuser, solide und stattliche Bauten, denen nur Fenster fehlten, um gar manche viel arm­seligere Hütte daheim zu übertreffen. Einzelne dieser Pfahlhäuser (Rum) waren 4050 Fuß lang, 24 Fuß breit und bis unter die Giebelspitze an 20 Fuß hoch. Das Dach bestand aus Ried oder Gras, die Seiten- wände aus sehr sauber befestigten, zuweilen rot und schwarz bemalten Mattscheiben der Nipa- oder Sagopalme, die Diele aus gespaltenen Latten von Betelpalmen. Charakteristisch für den hiesigen Baustil ist das Fehleil eines Vorplatzes oder einer Plattform, da die Treppe gleich unter der in eigentümlicher Weise verschiebbaren Tür liegt. Die im Innern der Häuser herrschende Dunkelheit erlaubte erst allmählich Orien­tierung, ließ aber die gewöhnliche Einfachheit der Einrichtung erkennen: in der Mitte die Feuerstelle, aus mit Sand gefüllten Nahmen bestehend,, ail den Seiten Lagerstätten aus gespaltenem Bambus, mit Kokospalmen belegt, und Töpfe. Letztere stimmten in der Form mit denen von Bilibili überein und wie ich sie auch am Caprivi sah; es gab aber auch Töpfe von kolossaler Größe, die als Behälter für Sago dienten. Keramik schien auch hier eine Quelle des Wohlstandes und Reichtums,, denn es gab Töpfe im Überfluß; so waren unter anderem auch be­sondere an Stricken befestigte Horden mit solchen versehen. Große Häuser enthielten zwei Abteilungen und werden, wie schon die doppelte Feuerstelle andeutete, wohl von mehr als einer Familie bewohnt. In einenl Hause bemerkte ich eine rohgeschnitzte Holzfigur, einen sogenannten Götzen, ähnlich den Telmus von Astrolabe, aber ohne die für jenes« Gebiet charakteristische langausgestreckte Zunge. Wenn auch Holz­schnitzereien an den Häusern fehlten, so fanden sich doch andere Arbeiten,, welche von der Geschicklichkeit der hiesigen Eingeborenen in diesen! Genre zeugten.

Baumhäuser. *)

Die Häuser unterscheiden sich von denen in Bentlehbai hauptsächlich dadurch, daß sie auf sehr hohen Pfählen wohl zehn Fuß über der Erde stehen und aus Sagopalmblatt gebaut sind, deren lohfarbene Färbung sie schon von weitem auszeichnet. Ich sah übrigens auch Häuser auf niedrigen Pfählen und solche von ovaler Form, denen gewisse Häuser auf Aroani wohl als Muster gedient Hütten. Besonders überraschte mich»

0 Or. O. Finsch:Samoafahrten", S. 271.