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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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I. Kaiser Wilhelmsland.

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Körperliche Bildung der Eingeborenen in Kaiser Wilhclmsland. Z

Die Eingeborenen von Kaiser Wilhelinsland sind in ihren äußeren Aiüagen im großen und ganzen von guter Statur, mittelgroß, schlank, in der Regel weniger muskulös und kräftig als die Europäer und mit üppigem, dunklem, krausem Haarwuchs versehen. Wie überall in Neu­guinea, so haben auch hier Mischungen und die Verschiedenheit in der Ernährung und Beschäftigung Abweichungen von der Regel hervor­gerufen. Wie bereits oben hervorgehoben wurde, finden sich Anklänge an den malayischeu Typus auf Gressien-, Bertrand- und den benachbarten Inseln, ferner auch in der Bunn-Landschaft und besonders im Dorfe Matukar und am Ama-Fluß. Die Eingeborenen auf der Matty-Jnsel erinnern in ihrem Äußern an die mongolische Rasse und sind vermutlich Abkömmlinge von vor längerer Zeit dorthin versprengten Chinesen, die sich mit der vorgefundenen Papuabevölkerung vermischt haben. Weiter finden wir bei den Eingeborenen aus dem Sattelberg gewisse Ähnlichkeit mit den Australnegern. Die Jabim in der Gegend von Finschhafen wiederum zeigen wie auch die Papuas am oberen Augnsta-Fluß und am Hatzfeldthafen einen hervorstechend semitischeil Typus, während die Ein­geborenen ail der Astrolabebai mehr an den kaukasischen erinnern.

Die Hautfarbe variiert vom tiefsten Schwarzbrann bis zum hellsten Gelbbraun; bisweilen finden sich ganz ungewöhnliche Abweichungen, und hier und da tauchen Albinos auf. Sehr dunkle Hautfärbung zeigen auch die Eingeborenen am Angriffshafen, am Augusta-Fluß, in der Hansa­bucht, in der Gegend von Hatzfeldthafen, Finschhafen und auf Dampier. Mehr dunkel als hell sind die Papuas an der Krauel-Bucht, in der Bann-Landschaft, am Huon-Golf, die Salens und die Leute südlich von Parsee-Point; nördlich von Parsee-Point ist die Bevölkerung von hellroter bis dunkelbrauner Färbung, und eigentümlich berührt hier wie am ganzen Huon-Golf das gänzliche Fehlen der Augenbrauen. Von etwas hellerer Hautfärbung sind die Leute am Berlin-, Dallmann- und Großfürst Alexis-Hafen, wie im Archipel der zufriedenen Menschen und an der Astrolabebai. Die hellste Hautfärbung in Deutsch-Neuguinea, Heller als die der Malayen, haben die Matty-Jnsulaner. Die Männer sind hier­über mittelgroß, kräftig gebaut, die Frauen kleiner und zierlicher. Beide Geschlechter weichen im übrigen Aussehen ganz von dem Papnatypus ab. Die Augen sind geschlitzt, die Nase ist nicht so breit wie sonst bei den Eingeborenen von Deutsch-Neuguinea, das Haar ist schlicht und wird von den Männern in langen korkenzieherartigen Strähnen von 7080 Länge getragen. Die Frauen scheiteln es in der Mitte, bei den Kindern ist es stark und lockig.

Z Or. Krieger:Neuguinea", S. 141.

2) Aufgefunden 1892 von dem 1897 verstorbenen Ludwig Kärenbach.