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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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I. Kaiser Wilhelmsland.

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aber, abgesehen von den Kokospalmen, noch nicht abgeschlossen. In erster Linie ist der Boden der großen Ebenen von vortrefflicher Beschaffenheit und gewährleistet im Verein mit den günstigen klimatischen Bedingungen ein gutes Gedeihen der meisten Tropenkulturen. Unter den wildwachsen­den Pflanzen ist vornehmlich die Kokospalme hervorzuheben. Wichtig sind auch die Sago- und die Nipapalme, der Brotfruchtbaum, wildes Zuckerrohr und verschiedene eßbare Knollengewächse. Dazu kommen mehrere Kautschukgewächse, Faserpflanzen und Nutzhölzer. Die Viehzucht der Eingeborenen beschränkt sich auf Schweine und Hunde. Die gewerb­liche Betätigung steht auf der untersten Stufe. Viele Stämme leben noch jetzt in völliger Steinzeit. Größere Ausdehnung hat beispielsweise das Töpfereigewerbe. Waffen, Geräte, Boote und Schnitzarbeiten zeugen nicht selten von einem gewissen künstlerischen Geschmack.

Im Sande der Flüsse ist Gold nachgewiesen. Goldwäschereien ent­standen, boten aber so geringen Ertrag, daß die meisten wieder ein­gegangen sind.

Handel und Verkehr.

Der Handel ist gering entwickelt und beruht durchgängig auf dem Tauschverkehr. Zwar ist eine eigene Münze von der Neuguinea-Kom­pagnie eingeführt worden; ihre Verwendung ist jedoch noch sehr be­schränkt. Haupthandelsgegenstände der Eingeborenen sind Kopra (der getrocknete Kern der Kokosnuß), Perlmutterschalen, der oben erwähnte Trepang. Die Europäer kultivieren Kautschuk, Sisalhanf, Kakao. Unter den Ausfuhrartikeln befanden sich 1910 leider auch 5706 Paradiesvogel­bälge. Mit dem Mutterlande ist die Kolonie durch eine Zweiglinie des Norddeutschen Lloyd verbunden, die von Hongkong über Manila nach Friedrich Wilhelmshafen, Simpsonhafen und Sidney geht. Der Verkehr an der Küste und mit den Inseln des Bismarckarchipels vermitteln eine Anzahl Privatdampfer und Segler. Eine direkte telegraphische Verbindung mit dem Schutzgebiet fehlt. Dagegen bestehen bereits fünf Postagenturen.

Verwaltung. Schule. Mission.

Am 1. April 1899 ist die Verwaltung des Schutzgebietes Deutsch- Neuguinea laut Vertrag zwischen dem Deutschen Reiche und der Neu­guinea-Kompagnie vom 7. Oktober 1898 aus das Deutsche Reich über­gegangen. Der Gouverneur hatte seinen Amtssitz in Herbertshöhe auf Neupommern. Vor kurzem ist der Amtssitz nach dem gesünderen Nabaul am Simpsonhafen verlegt, wo auch der Norddeutsche Lloyd seit 1905 eine Werft hat. Eine Polizeitruppe zur Aufrechterhaltung der Ordnung beläuft sich etatsmäßig auf 282 Mann.

Friedrich Wilhelmshafen, seit dem 1. April 1899 Sitz eines kaiser­lichen Richters, ist gleichzeitig Zentralpunkt des wirtschaftlichen Haupt-