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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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III. Kamerun.

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fast ganz brach, der teure Trägertransport einer Massenware, wie sie Palmöl und Palmkerne nun einmal sind, lohnt sich einfach nicht, schon nicht mehr auf eine Entfernung von mehr als einen Tag. Die Bahn Wird -- das lehren uns die Ergebnisse des ersten Betriebs-Halbjahres wenn sie erst einmal bis Bamun oder über Bamun hinaus führt, eine wirtschaftliche Entwicklung der. von ihr durchquerten Grasland- gebiete zur Folge haben, die die des Urwäldgürtels zum mindesten erreichen dürfte. Haben wir es doch mit der ganzen Strecke im Dschang- und Bamenda-Bezirk mit einer Bevölkerung zu tun, die den Wäldland- neger in jeder Richtung übertrifft, an körperlicher Leistungsfähigkeit, an Aufnahme- und Anpassungsfähigkeit, an straffer politischer Organi­sation. Ich möchte, nach Einblick in die Verhältnisse, wie sie sich hier draußen tatsächlich entwickelt haben, doch hoffen, daß die große Berkehrs- straße ins Innere Kameruns in der Richtung weitergeführt werde, in der sie heute schon ins Hochland hineinweist.

Die Pygmäenstämme Kameruns.

Ganz verschieden von der übrigen Bevölkerung des Sangagebietes sind die hier noch stärker vorhandenen Pygmäenstämme,?) die sich als Unterschicht über das ganze Gebiet ausbreiten. Sie kommen, wie schon erwähnt, auch anderwärts im afrikanischen Urwalde noch vor; aber nirgends so zahlreich und rein erhalten wie hier. Sie leben mit den genannten höherstehenden Völkerschaften in einer eigentümlichen Be­rührung; nicht als Sklaven, sondern als eine Art freiwillige Hörige. Sie treiben nicht den geringsten Ackerbau, sondern leben nur von der Jagd auf Hochwild, besonders auf Elefanten, die hier noch zahlreich vorkommen. Gegen die Erträgnisse ihrer Jagd tauschen sie bei den übrigen Völkerschaften die notwendigen, pflanzlichen Lebensmittel ein. Ihre durchschnittliche Körpergröße ist 1,52 m. Das Charakteristische an ihnen ist aber nicht so sehr die Kleinheit ihres Körperbaues, als die helle glanzlose Farbe ihrer Haut inmitten einer ganz schwarzen Bevölkerung. Es kommen zwar auch Mischfarben vor, wo eine Blut­mischung stattgefunden hat. Diese ist aber selten, da die Neger die Pygmäen angeblich wegen ihres schlechten Geruches verabscheuen. Die Pygmäen sind in ihrer Kultur noch nicht bis zur gemeinsamen Sied­lung gekommen. Sie leben nur in ganz kleinen Familien zusammen, ohne feste Niederlassungen, immer auf der Spur des Wildes. Sie halten sich aber in der Nähe von größeren Negersiedlungen auf. Sie scheueu die Berührung mit dem Weißen und ziehen sich vor ihm in

i) Aus Ritter:Neu-Kamernn." S. 29 und 30. Jena 1912. Mit gütiger Erlaubnis des Verlages Gustav Fischer, Jena.

-) Zwergstämme.