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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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III. Kamerun.

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Heiden förmlich zusammen, der Sache Gottes gemeinsam zn widerstehen und sie zn unterdrücken. An einzelnen Orten wurde es verboten, den Gottesdienst zu besuchen. Die Straßenpredigt wurde da und dort unter­sagt. Junge Männer und Knaben wurden sogar genötigt, einen Zauber­trank zn trinken, der sie zu Mitgliedern des Geheimbundes machen sollte. Sie*setzten aber den Mißhandlungen ruhige Gelassenheit entgegen, obwohl starke, junge Leute darunter waren. Sie trugen denn auch den Sieg über die Heiden davon, und das Ergebnis war, daß das Christentum immer mehr Anklang und Achtung fand.

Duala und die Nordbahn.

Von den europäischen Niederlassungen, die der Woermann-Dampfer Lei seiner Fahrt entlang der Westküste Afrikas nacheinander berührt, nehmen sich die beiden deutschen Orte Lome und Duala von dein auf der Reede liegenden Dampfer wohl am freundlichsten aus. Nicht ihrer Lage wegen, die an und für sich wenig Reize hat: flache Sandküste dort, niedrige Mangrovenwaldungen hier. Mögen andere Westafrikanische Städte, die sich, wie Freetown, Accra oder Monrovia, an waldigen Bergen empor- ziehen, mehr landschaftliche Reize in ihrer Umgebung haben, sie selbst sind doch nur Steinhaufen in grünem Rahmen, nur wenig Bäume sind in ihrem Weichbild stehen geblieben. Die deutschen Orte aber machen den Eindruck von Gartenstädten im wahren Sinne des Wortes. All die freundlichen hellen Häuser mit hellgrauen oder roten Dächern liegen verstreut zwischen Palmen, Rasenflächen, hübschen Gruppen von Laubbäumen oder Kasua- rinenhainen. In Lome haben erst die deutschen Ansiedler dies anziehende Bild geschaffen, in Duala sind es Neste d,es dichten Urwalds, die Ulan hat stehen lassen.

Hier in Duala stehen die Häuser frei und einzeln zwischen Gärten und offenen Plätzen, Kokos-Palmen- und Mango-Alleen führen in die Vorstädte hinaus. Es ist zu hoffen, daß auch in Zukunft diese offene Vaucheise gewahrt bleibt; bei der gewaltigen Ausdehnung des Weich­bildes der Stadt ist Platz dazu reichlich vorhanden. Mit den sehr weit­läufig gebauten Eingeborenendörfern der nächsten Umgebung in der Europäerstadt schwinden die Eingeborenenhütten immer mehr, die alle zum Stadtbezirk Duala gehören, beträgt das Areal dieser größten deutschen Niederlassung im tropischen Westafrika über 30 gkm; auf die Uferlänge entfallen allein 7 Irrn, die noch weiten Raum der künftigen Verkehrsentwicklung bieten.

Da, wo sich aus dem Mangrovenwald der Flachküste die wohl 30 in hohe Joßplatte erhebt, auf der früher das Dorf der Bell-Leute

i) Dr. F. Thorbecke, Deutsche Kolonialzeitung 1912, Nr. 2. Mit gütiger Erlaubnis der Deutschen Kolonialgesellschaft, Berlin.