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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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III. Kamerun.

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spannte Tau eines Seiltänzers aussieht; zu den oft 3 bis 4 Meter hoch über dem Erdboden befindlichen Querbalken führt eine Art breiter Hühnerleiter. Um aber auch den Händen einen Halt zu geben, sind gleich­zeitig auf jeder Seite des Seiles in Schulterhöhe wieder zwei gleich­laufende dünnere Lianentaue etwa in Meterabstand gespannt und mit dem Hauptstrang durch senkrechte Stäbe und Lianen, die in spitzein Winkel sich unter dem Hauptstrang treffen und untereinander wieder verknüpft sind, verbunden, so daß eine Art Netz entsteht, worin die eigentliche Laufbrücke zu liegen scheint. Um beim Hinübergehen das Zu­sammenklappen der beiden Geländer zu verhüten, sind in Abständen von einigen Fuß jedesmal außen an den oberen Seitenlianeu starke Baum­gabeln befestigt, die sich herzförmig um das Flechtwerk und die Lauf­brücke legen.

So lange die Brücken gut imstande sind, ist der Übergang leicht, wennschon bei Ungeübteren das starke Hin- und Herschwanken Schwindel erzeugen kann. Mehr wie zwei Mann dürfen zu gleicher Zeit die Brücke vicht betreten, und das Überschreiten erfordert stets etwa 23 Minuten.

In diesen Gegenden zahlt man den Eingeborenen nichts für die Benutzung der Brücke, vielmehr besteht eine Verpflichtung für die Dorf­gemeinde, im Interesse des öffentlichen Verkehrs die Brücken in gutem Zustande zu erhalten. Verunglückt ein Mann infolge einer mangelhaften oder gänzlich abgerisseneil Brücke, wie ich den Fall erlebt habe, so haftet die Dorfgemeinde, auf deren Gebiet das Unglück vorgefallen, und hat für den Umgekommenen Schadenersatz an dessen Stamm zu leisten.

Die Ansänge der Basler Mission in Kamerun. *)

Am 23. Dezember 1886 landeten die ersten Basler Brüder in Bethet. Es waren drei Württemberger Gottlieb Münz mit seiner jungen Frau, ChristianDilger und Johannes Bizer und der Badeuser Friedrich Becher. Münz, der schon drei Jahre auf der Goldküste gearbeitet hatte, sollte das Unternehmen leiten. Schon unterwegs war Becher in Altkalabar vorn Klimafieber ergriffen worden; die erste Nachricht, die man in Basel aus Kamerun erhielt, war die Kunde, daß er am vierten Tage nach der Landung entschlafen sei.Gott wollte unsere Mission," schrieb Dilger,unauflöslich mit diesem Lande ver­binden, indem er uns einen aus unserer kleinen Schar in Afrikas Erde betten ließ." Seitdem sind vieler solcher Bande geworden. Dilger selber liegt dort begraben, und von all den vier Pionieren steht heute keiner mehr dort in Arbeit. Münz trat 1890 in eine andere Arbeit in der Heimat ein, nachdem er Frau und Kind in Kamerun begraben, die drei andern haben ihr Leben für die Mission gelassen. Von den

Z Paul Eppler:Geschichte der Basler Mission 18151899", S. 355.