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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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III. Kamerun.

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und Geschäftsmann an der Güte des dortigen Bodens und Klimas noch irgendwie zweifeln und das Gedeihen von Unternehmungen am Kamerun­gebirge für unsicher halten.

Die Bimbia-Farm umfaßt ohne die Zweigpflanzung M'Bamba bereits 216 Im, wovon 162,5 Im mit Kakao und 8,5 da, mit Kaffee be­standen sind. Sie liegt sehr günstig unmittelbar am Meere und am bestell Hafen Kameruns, in welchem noch so tiefe Schiffe zu jeder Zeit nicht weit vom User ankern können. Der Kriegsschiffhafen ist ein altes Kraterbecken, und der Rand der Küste zeigt noch deutlich eine Reihe von kleineil Kraterkesseln, welche dem Hauptkrater angelagert waren oder auch nach seinem Erlöschen entstanden. Die Zyklop-Grotte, welche durch ein offenes, mit einem Boote passierbares Tor mit dem Meere in Ver­bindung steht, stellt einen solchen, noch wunderbar schön erhaltenen, sehr tiefeil Nebenkrater dar und läßt deutlich erkennen, daß sich solche sechs bis acht an der Zahl an der heutigen Küste früher nebeneinander reihten. Das brandende Meer hat heute überall die an der Meeresseite gelegenen Kraterränder eingerissen.

Die Pflanzung ist mit Gebäuden, Trockenräumen, Wasch- und Gär- einrichtungen (in Auemühle), sowie einem sehr guten Wegenetz wohl und sehr praktisch ausgerüstet, besitzt eine vorzügliche Feldeisenbahn, so daß sie mit allen Hilfsmitteln der Neuzeit bewirtschaftet wird. Es ist bei der Einrichtung derselben keine Verschwendung getrieben, jedoch auch nirgend an dem, was nötig, in falscher Weise gespart. Man hat hier einen musterhaften, tadellosen, tropischen Betrieb vor sich, welchen näher kennen zu lernen aufrichtiges Vergnügen bereitet. Das ist das all­gemeine Urteil nicht nur der flüchtigen Besucher von unseren deutschen Handels- und Kriegsschiffen, sondern auch des kritischen Fachmannes.

Bei der Pflanzung überläßt man jetzt das hängige und flachgründige Terrain den: Kaffee; dem Kakao räumt man den üppigen, tiefgründigen aufgeschwemmten Boden der ebenen Lagen und den tiefen Verwitterungs­boden ein. Diese letzteren Bodenarten sind meist tiefbraun gefärbt und von ausgezeichneter chemischer und physikalischer Beschaffenheit. Die An­pflanzung erfolgt beim Kaffee sowohl wie beim Kakao durch Auslegen der Bohnen, nachdem der Urwald während der Regenzeit gefällt und zu Schluß der Trockenzeit niedergebrannt ist.

Die Kultur des Kakaos)

Die Aussaat der Kakaobohnen erfolgt entweder im Ausgang der Regenzeit (Oktober, November) oder zu Beginn derselben (im April). Es werden gewöhnlich drei Bohnen ca. 2 om tief in ein Loch gelegt, uns später entfernt man die schwachen Pflanzen und läßt die stärksten stehen.

*) Pros. Or. Wohltmann:Der Plantagenbau in Kamerun," S. 23 ff.

Seidel, Koloniales Lesebuch. 3. Aufl. 9