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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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III. Kamerun.

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Ankläger damit sagen wollte, die Frau sei schuld an der Krankheit und dem Tode ihres Bruders, den sie ja tatsächlich nicht getötet und dessen Herz sie noch weniger gegessen hatte.

Nachdem der Nagel ins Zauberholz getrieben worden war, scharte sich alles um die Richtstätte; der Zauberer führte unter dem Klänge der Trommeln die sich kaum auf den Füßen haltende Frau, sie am kleinen Finger ergreifend, an jede Ecke des Rechteckes, um die Frau und die Palmblattrippe Kreise ziehend, gleichsam wie um sie an die Richtstätte zu bannen, und nachdem die Richtstätte noch einmal kreuzweise durch­schritten war, ließ er sie inmitten des Rechteckes sich niedersehen. Es trat zunächst eine tiefe Stille ein.

Nun begann der Zauberer die Anklagen zu wiederholen, die das Weib unter Tränen bestritt, während der außerhalb der Gerichtsstätte sitzende Ankläger, ein untersetzter älterer Mann mit wahrem Gaunergesicht, nur zuweilen ein halblautes Wort dazwischenwarf.

Sodann hielt der Zauberer dem Weibe alle ihre bis dahin be­gangenen Sünden vor, daß sie nach der Totenbestattung sich nicht sofort gewaschen, daß sie einmal mit blutigen Händen .gegessen, daß sie ein andermal einem Fremden zuerst zu trinken gegeben, ohne selbst erst vor- gekostet zu haben usw., und forderte sie endlich, ihr die erste Pille reichend, auf, nun das Gift zu essen, um die Wahrheit der Anklage zu erproben. Zitternd begann jetzt die Arme, die Pille hinunter zu würgen, während zuweilen die Trommel ertönte und der Zaubermann einen Tanz aufführte.

Mail sollte denken, daß die Zuschauer der Sache einen gewissen Ernst entgegengebracht hätten; aber dem war nicht so; diese Prozesse sind zu häufig, nehmen doch oft mehrere Personen zugleich das Gift. Alles schwatzte und lachte durcheinander wie an einem Festtage. 20 Minuten dauerte es, da war der letzte Nest der drei Pillen verschluckt. Der Zau­berer hieß die Frau aufstehen. Sie mußte nun innerhalb des Rechteckes hin und her gehen und dabei jedesmal die drei mittleren der an der schmalen Stelle herabhängenden neun Palmblattstreifen berühren; dies mußte so lange geschehen, bis die Entscheidung erfolgte. Unterdessen nahm der Zauberer seine Bezahlung, die sehr reichlich war; einige Flaschen Rum kreisten; ich aber machte mich davon, da ich weder Zeit noch Lust hatte, den Tod der armen Frau mit anzusehen, von der ich somit auch nicht weiß, ob sie wirklich gestorben oder mit dem Leben davonge­kommen ist.

Der Boden am Kamerungebirge. *)

Wer diesen nährstoffreichen, mürben, milden und tiefgründigen Boden und die Vegetation, welche er trägt, gesehen hat, wird gestehen

Z Pros. Dr. Wohltmann:Der Plantagenbau in Kamerun", S. 18 ff.