III. Kamerun.
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schon mit Sonnenaufgang, Pflegen die Frauen im Arbeitsanzug, d. h. mit ihrem Blätterschmuck achtern, zur Arbeit aufs Feld zu gehen. Die Männer machen nämlich nur die schwere, grobe Landarbeit, d. h. sie fällen in der Nähe ihres Dorfes, wo sie eine Farm anlegen wollen, die Bäume, reinigen das Land nach Möglichkeit von dem Unterholz und brennen die gefällten Stämme ab. Dann weisen sie die verschiedenen Teile der Farm ihren Frauen zu, die nun mit der Hacke an die Arbeit gehen, um kurz vor den Regenzeiten dem Boden die Maiskörner und Erdnüsse, den Koko oder Jams anzuvertrauen. Beginnt es zu regnen und keimt das Gepflanzte, so gilt es, die Farm fortwährend vom Gras und Unkraut zu befreien, das in dem jungfräulichen Boden ebenso schnell wuchert wie die junge, aus dem Samen getriebene Pflanze. Zum Schutz gegen die zudringlichen Ziegen und das Wild muß außerdem ein Zaun rund um das Feld gebaut werden. Die Jamswurzel, die in Jaunde besonders beliebt ist, muß zur Zeit gehäufelt werden und bedarf, ebenso wie die Kürbisse, einer Stütze für die rankenden Triebe, so daß die Jamskulturen der Jaunde von weitem wie große Hopfenfelder aussehen. Auch der Mais macht, namentlich in der Blütezeit, dadurch viel Arbeit, daß fortwährend die zahllosen Reisvögel von den jungen Blüten und Dolden verscheucht werden müssen. Die Jaunde-Frau hat deshalb tagsüber fleißig zu arbeiten, da sie außerdem noch das Essen kochen, Brennholz suchen und Wasser tragen muß, das in den Häusern in großen, tönernen Töpfen aufbewahrt wird. Überall in Wald und Feld rieseln muntere Bäche von den Bergen hernieder, und reichlich fallender Regen verleiht dem Boden eine solche Fruchtbarkeit, daß allenthalben zweimal im Jahre geerntet wird. Langsam zogen wir in den Morgenstunden auf breiten, gut ausgetretenen Wegen dahin, und überall in den Dörfern war unsere Ankunft ein Volksfest. Kaum waren wir von unserem Nachtquartier eine Stunde abmarschiert, so forderten uns die Dorfältesten schon auf, unter allen Umständen bei ihnen zu rasten, so daß wir vom Njang bis nach Jaunde nur ganz kleine Märsche haben machen können. Erst am 9. August erreichten wir mittags die Station, herzlich bewillkommnet von Herrn Zenker, der hier schon seit fünf Jahren hauste uud iu letzter Zeit von den Herren Staudt und Rabischung unterstützt wurde. So hatten wir denn den eigentlichen Urwaldgürtel hinter uns uud befanden uns an der Grenze des Wald- und Graslandes auf der vorgeschobeusten Station in Jnner-Kamerun.
Ein Gottesgericht.
Es handelte sich dabei um eine Frau; der Ort der Handlung war Sambu, ein Dorf nicht fern der Kongomündung. Ich begab mich aus
ZE. Zintgraff: „Nord-Kamerun", S. 19 ff.