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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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III. Kamerun.

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die sie für europäische Leckerbissen ansehen mochten, nur an den Ntangan selbst verkaufen wollten. Auch große Häuptlinge aus den Nachbar­dörfern waren eingetroffen mit starker Gefolgschaft. Alle in Waffen stolz daher schreitend, kamen sie mit einer Ziege oder einem Schaf an der Leine bis vor das Zelt. Der Posten rief mich heraus, ein Händeschütteln, ein lautesAwu mäha", die Hausjungen schleppten die Tiere und Lebens­mittel fort, und würdig setzte sich der Häuptling nieder, um mit den Seinen geduldig auf das Gegengeschenk zn warten. Jetzt am Abend hatten die Ukalla-Männer Tanztrommeln hervorgeholt, Weiber und Männer sich Klappern an Armen und Füßen befestigt und unter melo­dischein Gesänge tanzten sie, lautjauchzend, überall umstanden von den Soldaten, die zum ersten Male mit dem fröhlichen, harmlosen Jaunde- Völkchen in Berührung kamen. Ich hatte viel gehört von Land und Leuten, namentlich aus Morgens interessanten Schilderungen, der die Jaundes nicht genug zu loben weiß; aber der Eindruck, den ich in der herrlichen ersten Nacht im Jaunde-Lande empfing, übertraf weit meine schönsteil Erwartungen, und voll Zuversicht sah ich dem weiteren Teile meiner Reise entgegen.

Es war so etwas ganz anderes, mit diesen unbefangenen, frel- blickenden und sprechenden Naturmenschen zn reden, als mit den ver­schlagenen, hochmütigen und doch so kriechend freundlichen Küstenuegern oder den stumpfsinnigen, finsterblickenden Ngumbas.

Die Landschaft Jaunde und ihre Bewohner.

Am 3. August überschritten wir den Njong-Fluß und kamen nun, wie ich wußte, in die eigentliche Jaunde-Parklandschaft. Der ganze dunkle Niesenbusch lag hinter uns. Im hellen Sonnenlichte aber mar­schiert es sich durch eine freundliche Landschaft, wo fröhliche Menschen wohnen, selbst auf bergigen Wegen besser als auf ebenem Pfade im fin­steren, nassen Walde. Unsere Wanderung von hier bis nach der Station glich einem Triumphzuge. Die vielen Palmen geben der Gegend ein ganz besonderes Gepräge. Die hohen Urwaldbäume standen nicht mehr so dicht beieinander, das Unterholz war niedriger, fehlte wohl auch gänz­lich oder machte großen, weiten, mannshohen Grassteppen Platz. An rauschenden Wassern lagen schattige Bambushaine. Überall weitgebaute, sauber gehaltene Dörfer. Die viereckigen Hütten in zwei Reihen am Wege, das Ganze abschließend und, quer vor die Dorfstraße gestellt, jedes­mal ein luftiges Männerhaus. Mit mehreren Eingängen und hohen Palmenblattdächern machten diese schattigen Häuser, in denen stets eine große Anzahl niedriger Holzbetten stand, einen recht einladenden Eindruck.

Z Hans Dominik:Kamerun", S. 54. (Verlag von E. S. Mittler L Sohn, Berlin.)

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