III. Kamerun.
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flechten der Wirbelhaare hergestellt und dieser Haarkegel alsdann durch kleine, daran befestigte Metallplättchen, Kaurimuscheln, Antilopenhörnchen, kleine Klingen und dergleichen Zierat verschönt. Dieser Schöpf soll den Feinden in der Schlacht eine bequeme Handhabe bieten, um den gefallenen Bali nach Siegerbrauch den Kopf abzuschneiden und ihn alsdann vermittels dieses Schopfes wie an einem Henkel im Triumph nach Hause zu tragen. Denn es gilt für eine Schande, wenn dem Erschlagenen behufs besserer Beförderung des Kopfes Lippen oder Ohren zum Durchstechen eines Speerschaftes aufgeschlitzt werden. Wie bei den Indianern die Skalplocke, so ist bei den Bali dieser Schöpf das Zeichen eines kriegerischen Mannes.
Die Hautfarbe der Bali ist sehr dunkel und nähert sich bei vielen dem Schwarzblau. Es ist jedoch schwer, ihre richtige Hautfarbe auf den ersten Blick festzustellen, da sie den Körper mit einem Brei aus Notholz einzureihen Pflegen, der, sobald er auf die Haut eingetrocknet und ein wenig verrieben ist, dieser beständig eine nicht unschöne, bordeauxrote Färbung gibt. Das weibliche Geschlecht huldigt in ganz hervorragender Weise dieser Gewohnheit, den Körper zu schmücken; bildet doch die Einreibung mit Rotholz fast seine ausschließliche Bekleidung. Während nämlich die Männer stets in einem togaartigen Gewände oder im Kriegshemde — dem n'teüi m'bum — gehen, wandeln selbst junge Frauen völlig unbekleidet oder tragen höchstens das bereits oben erwähnte naturwüchsige Kleidungsstück, das Guassi. Es ist der volkstümliche Schmuck der Balifrauen und besteht lediglich in einem etwa handgroßeil Schürzchen, das vorn und hinten getragen wird. Es wird gewöhnlich aus frischen, weißen Bananenfibern oder auch aus wohlriechenden Kräuterbüscheln gefertigt. Hinten liebt man es, einen bis fast in die Mitte des Rückens fächerartig sich ausbreitenden, ebenfalls aus zarten Grashalmen geflochtenen Schweif, dessen unterer Teil mit rot- weiß-schwarz gefärbten Gräsern umwickelt wird, anzubringen. Wenn dieses Pfauenrad beim Gehen sich so recht anmutig hin- und herbewegt, ist die eitel danach umschauende Balischöne glücklich und ihres Eindrucks auf die Herren der Schöpfung sicher.
Rast in einem Jannde-Dorfe.
Unvergeßlich wird mir bei all den neuen Eindrücken der erste Abend im Jaunde-Lande bleiben. Es war herrlicher Mondschein, wir lagerten in dem an fünfzig wohlgebauten Hütten zählenden Dorfe des Häuptlings Ukalla. Am äußersten Ende des Dorfes war mein Zelt aufgeschlagen.
Hans Dominik: „Kamerun", S. 52. Mit gütiger Erlaubnis des Bcrlages E. S. Mittler L Sohn, Berlin.