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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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Die afrikanischen Schutzgebiete.

Die Bali.

Was die äußere Erscheinung und das Auftreten der Bali anlangt, so kann man auch hier wieder die Beobachtung machen, wie die Natur eines Landes sich in seinen Bewohnern widerspiegelt. Denn im Gegen­satz zu der in den dumpfen Urwäldern der Küstengebiete wohnenden schlaffen Bevölkerung sind die Bali, die Söhne der freien Hochebene, körperlich entwickelter und geistig geweckter. Ihr Wuchs ist weit über Mittelgröße, und riesenhafte Gestalten sind durchaus keine Seltenheit, ihr Bau ist sehnig und muskelstark; jene fleischigen Körperformen, wie man solche an der Küste, bei den Duala z. B., zu beobachten Gelegenheit hat, sind kaunl zu finden, obgleich Garega^) und seine Brüder sich ausnahms­weise durch Wohlbeleibtheit auszeichnen. Auffallend sind die langen Schenkel der Bali, die sie in den Stand setzen, große Strecken ohne Ermüdung zurückzulegen; überhaupt liebt es der Bali, seine Kraft zu zeigen und sich im elastischen Laufschritt oder Sprunge von höher stehenden Personen zu entfernen. Wie bei den meisten Naturvölkern, so ist auch die Haltung der Bali sehr gerade, ihr Gang aufgerichtet und stolz, eines gewissen würdevollen Anstandes nicht entbehrend.

Eigentümlich ist ihre Schädelform. Sie haben die Gewohnheit, bald nach der Geburt den kleinen Kindern durch wiederholtes sanftes Drücken mit der flachen Hand auf die obere Stirn dem Schädel nach hinten zu eine möglichst eiförmige Gestalt zu geben, was namentlich bei abgeschnittenen Köpfen in die Augen fällt. Dieser Brauch scheint den meisten Grenzstämmen Süd-Adamauas eigen zu sein, der übrigens keinen nachteiligen Einfluß auf die geistigen Fähigkeiten der Bali hat, die im Gegenteil recht gut entwickelt sind.

Die Schneidezähne Pflegen die Männer vorn spitz zu schlagen, während beim weiblichen Geschlecht etwa mit dem siebenten Jahre die beiden oberen Schneidezähne ausgebrochen und nur die beiden unteren zugespitzt werden.

Das Haupthaar rasieren beide Geschlechter mit kleinen dreieckigen Messern entweder ganz ab, oder sie lassen den Kopf entlang von der Stirn nach dem Hinterhaupt«: einen elliptischen, an die Kopftracht der Hamburger Dienstmädchen erinnernden Haarkamm stehen. Diese, sowie noch einige andere, weniger häufige Haartrachten, z. B. das Scheren einer den halben Vorderkopf umfassenden, künstlichen Glatze sind beiden Ge­schlechtern eigen, desgleichen die Gewohnheit, die Augenbrauen abzu­rasieren, während die Männer sich hin und wieder auch noch die Augen­wimpern ausreißen. Eine ausschließlich männliche Haartracht ist ein kleiner, buckelartiger Schöpf auf dem Wirbel. Er wird durch Zusammen-

1) E. Zintgraff:Nord-Kamerun", S. 209 ff.

2 ) Der damalige Oberhäuptling der Bali.