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Die afrikanischen Schutzgebiete.
anderen Schlingpflanzen umklammert und getötet. Orchideen und andere Gewächse überwuchern die modernden Reste umgestürzter Waldriesen; auf den Ästen der lebenden machen sich Schmarotzerpflanzen breit, und so fest sind Zweige, Blätter, Kronen und Ranken verschlungen, das; man sich nur mit Axt und Messer einen Weg durch die lebende Mauer bahnen kann. Alles strebt nach oben, nach Luft, Licht und Himmelsblau; am Boden dagegen herrscht eine feuchte moderige Luft mit Tag und Nacht fast gleichmäßiger Temperatur, und kaum erhellt ein Sonnenstrahl das Halbdunkel, an das sich das Auge erst gewöhnen muß. Bei bedecktem Himmel erreicht die Dämmerung oft einen solchen Grad, daß man kaum noch die Ziffern der Uhr oder der Instrumente abzulesen vermag. Strahlt hoch oben die Sonne durch das dichte Blätterdach, so ergreift den Menschen, der tagelang da unten auf schlüpfrigen Pfaden durch Wasserlöcher, Sümpfe und Bäche wandern muß, Sehnsucht, hinauf zu gelangen, um wieder einmal die Sonne und den Himmel zu schauen.
Charakter-pflanzen Kameruns.
Das Plateau ist lediglich Savanne. Der Übergang aus dem Urwalo in diese Savanne geschieht an den meisten Stellen nicht plötzlich, sondern durch ein Übergangsstadinm, die Parklandschaft. Gras- und Buschstreifen wechseln hier miteinander ab; erstere auf den Höhen, letztere in den Tälern, an den Flußläufen entlang, an denen sie besonders bei tief eingeschnittenen Ufern sich zu schönen Galeriewäldern entwickeln. Die Savanne ist größtenteils durchsetzt mit der ^.nona LeneAuIönsis, jenen: kleinen afrikanischen Krüppelbaum, der etwa mit unserm verkümmerten Pflanmenbaum Ähnlichkeit ausweist. In der Savanne zu beiden Seiten des Sannaga, besonders auf dem rechten User, ist die Anona ersetzt durch die Fächerpalme (H^piiaens), welche, wenn auch nur vereinzelt aus der Ebene herausragend, doch durch ihren schönen, schlanken Wuchs und die großen, dachförmigen Kronen mit den daranhängenden gelben Früchten eine erwünschte Abwechslung in der Szenerie hervorruft. — Überhaupt ist Kamerun reich an Palmen, und sie sind wohl nicht allein die schönsten, sondern auch die ergiebigsten Pflanzen des Landes. Außer der Fächerpalme trifft man, allerdings nur so weit die Seebrise reicht, die Kokospalme lOoeos nueiksra) an, deren Milch eine höchst angenehme Er- guickung abgibt, und deren Kern auch zu einem Handelsartikel (Kopra) verwandt wird. Ich habe im weiteren Hinterlands kein einziges Exemplar dieser Spezies angetroffen. Nur etwa zehn Tagereisen von der Küste hält sich noch die Kokospalme. Es ist ein sicherer Beweis für den aus dem Innern zurückkehrenden Reisenden, daß er nicht mehr weit von der Küste entfernt ist, wenn er die erste Kokospalme antrifft. Noch wichtiger
i) C. Morgen: „Durch Kamerun von Süd nach Nord", S. 327 ff.