III. Kamerun.
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die Hitze. Dieser folgte alsdann die Erlösung, der Schweiß; die Temperatur ging herunter, und der Appetit stellte sich allmählich wieder ein. Die Zeit der Erkrankung währte etwa fünf Stunden und fiel bei mir meist in die Nachmittagsstunden. Am folgenden Tage zur selben Stunde begann das Fieber von neuem, jedoch nicht, ohne daß ich der Schwere dieses Anfalls durch eine Dosis Chinin von mindestens 1 § vorgebeugt hätte. Der dritte Tag brachte mir in der Regel ein so leichtes Fieber, daß ich mich nicht mehr niederzulegen brauchte. Öfter trat das im Körper sitzende Malariagift nicht in Form eines Fiebers, sondern als sogenannte verkappte oder larvierte Malaria in allen möglichen Formen auf. Kopf- oder Zahnschmerzen sind häufig Ma^ariaerscheinungen und vergehen durch den Gebrauch von Chinin.
Wie schon oben erwähnt, sind diese Fälle fast nie tödlich; lebensgefährlich ist erst das perniziöse Fieber, bei welchem bereits eine Blutzersetzung eintritt, und wo oft die größten Dosen Chinin, schließlich in flüssigem Zustande als subkutane Injektion angewandt, nichts mehr helfen. Die heilsame Wirkung des Chinins bei gewöhnlichem Fieber ist dagegen eklatant. Leider wird aber auch mit diesem Mittel Mißbrauch getrieben.
Der Urwald in Kamerun.
Der Urwald ist so gleichförmig und ermüdend wie der Ozean, und was der Wanderer gestern sah, wird er heute und morgen wieder zu Gesicht bekommen. Unendlich mannigfaltig bleibt bloß die Fülle der das Dickicht zusammensetzenden Pflanzen, von denen man Hunderte verschiedener Art aufzählen könnte, und dieser strotzende Reichtum allein ist es, durch den der Urwald überwältigend wirkt. Zwischen immergrünen Palmen gedeihen riesige Wollbäume, Brotfruchtbäume und Pandanus, und durch das dunkle Blattgrün schimmern die goldgelben Früchte der Mangos und Apfelsinen und die prachtvollen roten Blüten der Tulpen- bäume. Mancherorten, freilich nicht so häufig wie in Togo, bildet die Ölpalme ganze Waldungen, die größtenteils wild wachsen, aber auch angebaut werden und noch in den Uferlandschaften des Mbam auftreten. Wein- und Fächerpalmen vereinigen sich ebenfalls zu geschlossenen Beständen, und zu ihnen gesellt sich im Küstengebiet die Kokospalme. Der Wald birgt ferner stattliche Stämme von Rot- und Ebenholz; der Kaffeebaum wächst wild und wird von den Eingeborenen wenig beachtet, während die im Binnenhandel sehr begehrten Früchte des Kolanußbaums eifrigst gesammelt werden. Das undurchdringliche Gewirr der Stämme erstickt im Kampfe ums Dasein das Unterholz, und die Bäume werden ihrerseits wieder von fadendünnen oder armdicken Gummilianeu und
i) Dr. Kurt Hassert: „Deutschlands Kolonien", S. 130 ff.