III. Kamerun.
107
an den Tschadsee weitergeführt werden. Eine andere von Duala über Edea nach dem Njongfluß geht der Vollendung entgegen. Den Verkehr der Küstenorte untereinander vermitteln Regierungsdampfer.
Die Verbindung mit dem Mutterlande wird durch die Dampfer der Vereinigten Deutschen Westafrikalinien in vierzehntägigen Fristen vermittelt. Die Fahrzeit beträgt 19 Tage. Reichspostanstalten hat die Kolonie 35, darunter 17 mit Telegraphenbetrieb und 11 Ortsfernsprech- einrichtungen. Das Postamt in Duala ist durch ein Unterseekabel mit der englischen Telegraphenstation in Bonny verbunden.
Verwaltung, Schule und Mission.
An der Spitze der Verwaltung steht ein Gouverneur, dem eiu Gouvernementsrat zur Seite steht. Altkamerun umfaßt 24 Verwaltungsbezirke. Negierungsschulen sind in Duala, Viktoria und Garua. Eine Handwerkerschule blüht in Buea. Die bedeutendsten Ortschaften im Küstengebiet sind Duala, Viktoria (am Kamerunberg), Buea, Sitz des Gouverneurs (ebendaselbst), Kribi (in Süd-Kamerun). Doch halten diese Ortschaften keinen Vergleich aus mit den volkreichen Städten der Sudanneger aus dem Hochlande wie Ngila (Hauptort der Wüte, 10 000—12 000 Einwohner), Ngaumdere (Hauptstadt des Sultanats Ngaumdere, 30 000 Einwohner).
Die Gerichtsbarkeit erster Instanz liegt in den Händen deutscher Richter. Die Schutztruppe zählt 1300 farbige Soldaten. In Kamerun und Viktoria sind regierungsseitig Hospitäler für Europäer eingerichtet worden. Neben der evangelischen Baseler Missionsgesellschaft, den Baptisten und der amerikanischen Mission der Presbyterianer wirkt die katholische Genossenschaft der Pallotiner für die Verbreitung des Evangeliums unter den Eingeborenen.
d) Aus den Berichten der Reisenden und Forscher
Die Flaggenhissung durch Dr. Nachtigall)
Unter dem 19. März 1884 erging an den Generalkonsul in Tunis, Dr. Nachtigal, seitens des Fürsten Bismarck eine ausführliche Justruktion, in welcher der Abschluß von Freundschafts-, Handels- und Protcktoratsverträgen in Angra Pequena und dem Küstenstrich zwischen dem Nigerdelta und Gabun, insbesondere die Strecke gegenüber der Insel Fernando Poo in der Bai von Biafra, ins Auge gefaßt war. In der Einleitung dieser Instruktion war jedoch vorausgeschickt, daß das Reich nicht beabsichtigte, einen größeren Verwaltungsapparat einzurichten oder
i) C. Morgen: „Durch Kamerun von Nord und Süd", S. 6ff.