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Die afrikanischen Schutzgebiete.
lande betrieben und kommt dank der Fürsorge des Gouvernements daselbst immer mehr in Aufnahme; auch werden Schafe, Ziegen, Schweine und Hühner überall als Haustiere gehalten, stellenweise auch Enten; Pferde und Buckelrinder sind auf das Gebiet der Sudanneger beschränkt. Die an der Küste und den größeren Flußläusen sitzenden Stämme sind eifrige Fischer, besonders die Subu- und die Bimbialeute. Auch Jagd auf kleineres Wild wird hier und da in größerem Umfange geübt (z. B. bei den Bakwiri).
Die Europäer haben bisher besonders die westlichen und südlichen Hänge des Kamerungebirges und die westlich davon gelegenen Küsten- ländereien in Kultur genommen und mit gutem Erfolge namentlich Kakao gebaut. Es bestehen zahlreiche europäische Pflanzungsgesellschaften. In Viktoria hat die Regierung einen botanischen Garten angelegt, in welchem Versuche mit den Kulturen tropischer Nutzpflanzen angestellt werden.
Nutzbare Metalle sind in abbauwürdiger Menge bisher nicht gesunden worden; wohl aber lassen Solquellen im Nordwesten auf Steinsalzlager schließen. Im Munigebiet vermutet man Kohlen.
Die heimische Industrie ist wenig entwickelt und wird infolge der Einfuhr europäischer Erzeugnisse immer mehr zurückgedrängt. Sie beschränkt sich auf kunstlose Holzschnitzereien, die Herstellung roher Töpferwaren und Flechtarbeiten. Bei den Sudannegern steht dagegen die Eisengewinnung und das Schmiedehandwerk in beträchtlicher Blüte.
Handel und Verkehr.
Eingeführt werden hauptsächlich Gewebe, Eisenwaren, Tabak, Salz, Reis, Holz und Holzwaren, Glas, Seife und allerhand Gebrauchsartikel für den täglichen Bedarf. Die Hauptausfuhrartikel sind Palmöl, Palmkerne, Kautschuk (von der liunckolpdia, lloriäa, einer Lianenart, und mehreren Fikusarten), Elfenbein, Kakao und Ebenholz. Im Jahre 1911 stand .einer Ausfuhr von nahezu 21,2 Mill. eine Einfuhr von 28,5 Mill. °M. gegenüber. Im Inneren ist der Handel noch ausschließlich Tauschhandel. Das Ein- und Ausfuhrgeschäft liegt in den Händen von über 50 europäischen Firmen. Mit schwerer Mühe ist es gelungen, den stark verteuernden Zwischenhandel der Küstenstämme wenigstens an einigen Stellen zu durchbrechen und direkte Verbindungen mit den Stämmen des Hinterlandes herzustellen. So treffen schon jetzt zahlreiche Haussakarawanen an der Küste ein. Der Verkehr wird gefördert durch zahlreiche Straßen, die auf Veranlassung der Regierung von den eingeborenen Stämmen gebaut werden; auch Eisenbahnen hat die Kolonie bereits. Eine kleine Feldbahn geht von Viktoria nach Sopo; der Bahnbau von Duala nach den Manengubabergen ist 1911 vollendet. Diese Bahn soll den Nordwesten des Landes erschließen und dereinst wohl bis