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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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III. Kamerun.

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Als dieser aber eintraf, wehte bereits die deutsche Flagge über Kamerun. Zwei Tage vor ihm war der Generalkonsul Nachtigal auf derMöwe" angelangt und hatte Kamerun für Deutschland in Besitz genommen. Die Engländer erhielten nur die Missionsstation Viktoria, die sie sich vorher gesichert hatten.

Ein bald darnach durch englische Umtriebe hervorgerufener Auf­stand der Eingeborenen wurde durch die Maunschaften eines von Admiral Knorr befehligten Geschwaders sofort unterdrückt. Weitere Verhandlungen mit England und Frankreich führten im Jahre 1885 zur Festlegung der Nordwest- und der Südgrenze. In der Folge waren die Bestrebungen der deutscheil kolonialen Kreise vornehmlich darauf gerichtet, die Nord- und die Ostgrenze möglichst weit ins Hinterland vorzuschieben. Die unter Dr. S. Passarge in der Richtung auf den Tschadsee entsandte Expedition hatte auch den Erfolg, daß bei den folgenden Abgrenzungs­verhandlungen dem Deutschen Reiche der Zugang zu diesem Binnensee und zu den Ufern des Schari und damit eine unmittelbare Verbindung mit den reichen Sudanstaaten gewährt wurde. Seine jetzige Gestalt und damit Zugang zum Kongo und zu seinem großen rechten Neben­flüsse, dem Ubangi, erhielt Kamerun durch das Abkommen mit Frank­reich von: 4. November 1911, wodurch es um die Hälfte vergrößert wurde, Deutschland aber auf politische Betätigung in Marokko ver­zichtete.

Bodengestalt. Bewässerung.

Die Küste ist flach, von sumpfigem Schwemmland eingefaßt und von Mangrovendickicht umsäumt, das auch noch in die Flüsse eindringt, soweit das Brackwasser reicht. Frei von Schwemmland ist die Batanga- küste im Süden, sowie die Joßplatte, eine 10 m hohe Lateritplatte im Kamerunästuar. Die Küste des südlichen Gebietes ist infolge der heftigen Dünung stark versandet. Strandwellen krönen das flache Gestade und gefährliche Barren versperren die Flußmündungen.

Abgesehen von den Mündungen der Flüsse ist die Küste wenig gegliedert. Der spanischen Insel Fernando Poo gegenüber öffnet sich die Ambasbai mit den vorgelagerten Inseln Ambas und Mondole; in geringer Entfernung östlich davon liegt die kleine Kriegsschiffbucht. Beides wahrscheinlich ursprünglich Kraterbecken, deren Südrand vom Meere zer­trümmert worden ist.

Um so stärker wird die Küstenlinie durch die ins Meer fallenden Flüsse zerrissen, besonders durch die Ästuarien des Rio del Reh, des

*) Astuarien sind offene, langgestreckte, nach dem Meere zu sich immer mehr verbreiternde Flußmündungen ohne Deltabildung, in die das Meer zur Flut­zeit eindringt, die von den Flüssen mitgeschleppten Stickstoffe beim Zurücktreten mit sich nimmt und so die Ausfüllung der Mündungen verhindert. D. H.

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