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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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II. Deutsch-Südwestafrika.

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kaum einen Begriff von der Stärke und Festigkeit eines solchen rollenden Hauses zu machen. Das weiße Zelt aus starkem Segeltuch, welches das gewölbte Obergestell bedeckt, ist so hoch, daß ein erwachsener Mann bequem darunter zu stehen vermag. Der Boden des Unterbaues, die Achsen und Räder sind von einem Kaliber, dessen Notwendigkeit man erst begreift, wenn man die Wege des Hochlandes kennen lernt. Auf diesen pflegt ein solcher Wagen eine Fracht zu befördern, deren Gewicht in diesem Lande zwischen 30 und 50 englischen Zentnern bemessen wird. Das Eigentümlichste an dem Ochsenwagen aber ist seine Bespannung mit zwölf bis zwanzig zn ziveit unter je einem Joche vorgelegten Ochsen, deren Ausbildung im gleichmäßigen Ziehen zu den bewundertsten Leistungen der Hottentotten und Bastards gehört. Sind die Tiere, die jedes auf einen bestimmten Namen hören, eingespannt, was von geübten Treibern in der Zeit von einer Viertelstunde erledigt werden muß, so ergreift der Führer die riesenhafte Peitsche, deren Stock aus' Bambus vier Meter und darüber mißt, und auf den RufTreck!" (Zieh!) legt sich ein gut eingefahrenes Gespann gleichzeitig in die an einem langen Riementau oder an einer Kette befestigten Nackenjoche. Dann kommt Bewegung in die schwere Last, und unter Knarren und Rasseln seht sich der mächtige Wagen in ein gleichmäßiges Rollen, das keineswegs so langsam ist, wie es aussieht. Ein gilt gespanntes Gefährt vermag auf nicht zn weichem und schlechtem Boden bis zu viereinhalb Kilometer in der Stunde zurückzulegen^ eine recht achtenswerte Leistung.

Die Entdeckung der Diamanten im Lüderitzland.^)

Wie bei so vielen Schätzen, die das Erdinnere hervorgebracht hat^ hat auch bei der Entdeckung der Lüderitzbuchter Diamanten der Zufall sich als der beste Prospektor erwiesen. Tausende haben die Flächen Passiert, auf denen die Diamanten teilweise massenhaft liegen. Bei Pomona hat eine Gesellschaft nach Erzen geschürft lind dabei die edlen Steine, die unmittelbar benachbart liegen, übersehen. Der ganze enorme Wagen- und Menschenverkehr des Hottentottenfeldzuges ist über die Schätze hinweggeschritten, eine Bahn ist quer durch die Diamantfelder gebaut, aber kein Mensch hat die Edelsteine bemerkt. Erst im April 1908 wur­den sie entdeckt, nachdem die Eisenbahn auf dieser Strecke bereits seit zwei Jahren im Betrieb war. Ein Kapboy so heißen hier­zulande die farbigen Arbeiter, welche in der Kapkolonie angeworben werden fand einige Diamanten und gab sie seinem Vorarbeiter Mrokon. Dieser wieder zeigte sie seinem Chef, dem damaligen Bahn­meister Stauch. Stauch hatte gleich den Verdacht, daß die Steine Dia-

*) Dr. Paul Range, Deutsches Kolonialblatt 1909, Nr. 22. Mit gütiger Erlaubnis des Verlages E. S. Mittler L Sohn, Berlin.