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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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II. Deutsch-Südwestafrikn

u) Allgemeine Beschreibung des Landes Lage und Erwerbsgeschichte.

Die zweitgrößte deutsche Kolonie, Deutsch - Südwestasrika (etwa 835 000 alon), liegt nördlich von der englischen Kapkolonie am Atlan­tischen Ozean, der aus eine Strecke von 1500 irrn von der Mündung des Oranje bis zu der des Kunene im Norden die westliche Grenze bildet. Im Norden stößt sie an die portugiesische Angola-Kolonie, im Osten an Britisch-Betschuanaland, und im Nordwesten erstreckt sich eine Zunge, der sogenannte Caprivizipfel, zwischen portugiesischem und briti­schein Besitz bis an den Sambesi. Das Schutzgebiet umfaßt von Nor­den nach Süden das Ambo- (auch Ovambo-) Land, das Kaokofeld, das Herero- (auch Damara--) Land und das Groß-NamalandZ)

Schon lange Jahre vor der deutschen Besitzergreifung ist die Rhei­nische Missionsgesellschaft in dem jetzigen Schutzgebiete tätig gewesen. Am 1. Mai 1883 erwarb ein Beauftragter des Bremer Kaufmanns Lüde ritz, der sich vorher über die Stellung der Reichsregierung ver­gewissert hatte, von dem Häuptling Joseph Fredericks den Hafen­platz Angra Pequena nebst den angrenzenden Ländereien. Da die Eng­länder Miene machten, die Oberhoheit über das fragliche Gebiet für sich in Anspruch zu nehmen, so wurde dasselbe am 24. April 1884 vom Fürsteil Bismarck unter deutschen Schutz gestellt. Am 7. August wurde die deutsche Flagge von den deutschen KriegsschiffenLeipzig" und Elisabeth" gehißt. Das KanonenbootWolf" erhielt den Auftrag, an allen Küstenplätzen vom Oranje bis zum Kunene das gleiche zu tun. Nur Walfischbay war bereits englisch und ist es auch heute uoch. Die beiden Reichskommissare Dr. Nachtigal und Dr. Göhring schlössen dann in der Folge Schutzverträge mit einer Reihe von Häuptlingen des Binnenlandes ab und begründeten damit Deutschlands Anspruch auf das

i) Klein-Namaland liegt südlich davon in der Kapkolonie.