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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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Die afrikanischen Schutzgebiete.

der scheinbar unbehilflichen Sprache im allgemeinen gute und logisch denkende Redner sind, was bei Gelegenheit von Ratssitzungen z. B. ganz besonders zu Tage tritt.

Das Alter wird in hohem Maße geehrt, wie denn auch die Jugend stets und gern auf den Rat der ergrauten Männer hört, denen überhaupt bei jeder Gelegenheit der Vortritt gelassen wird. Im Hause ist die Frau unbeschränkte Herrin, sie sitzt zur Rechten des Hausherrn, und ohne ihre Erlaubnis darf dieser weder einen Schluck Milch noch einen Bissen Fleisch zu sich nehmen. Diese tatsächliche Herrschaft des Weibes inner­halb der Hütte spricht sich schon in der BezeichnungTaras" aus, die der Ehefrau beigelegt wird, indem, wie Theophil Hahn dargetau hat, Taras von ta, erobern, herzuleiten ist.

Wohl erkennt der Hottentotte rückhaltlos an, daß ihn der Branntwein moralisch und ökonomisch ruiniert hat, aber getragen von dieser Erkenntnis verachtet er auch den Europäer als die indirekte Ursache dieses Nieder­ganges und läßt ihn diese Verachtung mit besonderer Vorliebe fühlen.

Die Buschmänner, r)

Ab und zu bekam ich wohl den einen oder anderen zu Gesicht. Sie haben sich scheu in die Kalahari zurückgezogen und leben hauptsächlich von der Jagd. Sie sind äußerst bedürfnislos, besitzen selten oder nie­mals Vieh und dnrchziehen die Kalahari. Ihrer Gewalttaten und Räu­bereien wegen sind sie sehr gefürchtet.

Die Weiber der Buschleute ziehen des Morgens vor Sonnenaufgang ins Feld mit kleinen, harten Kürbisschalen als Wassergefäßen. Dann saugen sie in einem Grashalm die Tauperlen auf, die auf Gräsern und Büschen'liegen und sammeln sie in ihren Schalen als Trinkwasser für den Tag. 'Dies geht unglaublich schnell, und im Umsehen ist ein Ge­fäß gefüllt.

Ist man in der Kalahari auf Jagd und glaubt sich ganz allein in der endlosen Wüste, dann taucht plötzlich hier und da ein Kopf auf. Stunden- und tagelang folgen sie dem Jäger; wie aus dem Boden gewachsen stehen sie vor ihm. Sowie der Schuß gefallen, huschen sie von allen Seiten herbei, nehmen das verendete Wild aus und tragen es nach dem Lager. Erst aber müssen sie sich durch lange Beobachtung überzeugt haben, daß man in freundlicher Absicht zu ihnen kommt. Schnell und sicher senden sie den todbringenden Pfeil vom Bogen. Die Pfeile bestehen aus dünnem Rohr mit einer abnehmbaren langen Spitze aus Knochen, an der eine dickklebrige Masse sitzt, das Gift. Damit sie sich nicht selber verletzen, haben sie die Spitze so dünn gemacht, daß sie den Pfeilschaft für sie als

i) Marg. v. Eckenbrecher:Was Afrika mir gab und nahm", S. 89. Mit gütiger Erlaubnis des Verlages von E. S. Mittler L Sohn, Berlin.