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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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II. Deutsch-Südwestafrika.

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Der dolichocephale i) und nur schwach prognathe^) Schädel ist schmal und lang, die Stirne meist hoch und gewölbt, die Nase nicht abgeflacht, wie bei den Hottentotten, sondern hervortretend und bald sanft, bald scharf gekrümmt. Wohl sind auch b?i den Ovaherero die Backenknochen hervor­tretend, ohne jedoch, wie bei der Hottentottenrasse, den größeren Teil der Gesichtsfläche zu okkupieren; bei mehr oder weniger spitzem Kinn sind die Lippen aufgeworfen, aber ohne sich zu Wülsten auszubilden. Das tiefschwarze Haar ist wollig, vermag jedoch mit der Zeit in bis 1 in lange weite Strähne auszuwachsen; der Bartwuchs ist spärlich und ge­wöhnlich auf das Kinn beschränkt, seltener auch auf die Backen aus­gedehnt. Die übrigen Körperteile sind mit Ausnahme der Hand- und Fußsohlen wie ich im Gegensatz zu Fried r. Müller berichten muß dicht mit starkem Flaum überkleidet. Die Vorderarme sind oft auffallend lang, Hände und Füße knochig und groß; die kräftige Mus­kulatur tritt namentlich an den Schenkeln deutlich zu tage, und verleiht der ganzen Erscheinung, die in der Größe dem Durchschnittsmaß des Norddeutschen wenig nachsteht, einen nicht unschönen Ausdruck. Die Hautfarbe nähert sich der des gekochten Kakao, doch soll nach Angaben von Missionaren die Färbung der Ovambandjeru häufig in ein leichtes Braunschwarz überspielen; ich selbst habe jedoch diesen Unterschied nicht bemerken können. Bei großen Anstrengungen, wie Dauerlaufen und Tanzvergnügen, ist die Schweißabsonderung eine außerordentlich starke und von einem säuerlich unangenehmen Gerüche begleitet. Gesicht und Gehör sind unleugbar schwächer als bei der Hottentottenrasse entwickelt, in Körperstärke und Ausdauer, im Laufen und Tragen usw. sind sie dieser aber wiederum weit überlegen.

Die gesellschaftlichen Verhältnisse der Ovambo.

Die Stämme der Ovambo teilen sich ähnlich wie die der Ovaherero in eine Anzahl von Gruppen, letztere bezeichnen diese Gruppen als omuamäs, erstere als omasimo. Der Unterschied besteht aber nur im Namen, in Bedeutung und Satzungen dagegen stimmen beide in der Hauptsache überein.

Bei den Ovambo habe ich nur zwei onmsimo ihrer Existenz und ihrem Charakter nach feststellen können, nämlich die der elcuanukumba., der Adeligen, und die der ekuunuuims, der Priester; das Volk, das sich nicht einer dieser zwei leicht auseinander zu haltenden Gruppen zuteilen läßt, gehört zum Plebs; ob innerhalb des letzteren zur Zeit noch weitere onm8imo"-Einteilungen stattfinden, ist mir zwar unbekannt, aber auch

Z langschädelig.

mit vorspringendem Oberkiefer und Jochbein.

b) Dr. H. Schinz:Deutsch-Südwestafrika", S. 303 bis 305.