86
Die afrikanischen Schutzgebiete.
hellt und das auf kurze Zeit das ganze Land taghell erleuchtet. Wie eine Geistererscheinung tauchen überall am Horizont die Berge vor dem blauen Leuchten auf, um erst nach Stunden wieder gänzlich in der Finsternis zu versinken. Rabenschwarz sind wieder andere Nächte in dieser Zeit, und nun treten Laternen der verschiedensten Form und Größe in ihr Recht, denn auch in dieser Zeit der langen Tage beginnt die volle Dunkelheit bald nach 7 Uhr, und wen sein Weg dann noch ins Freie führt, der wird nür ungern ohne Licht gehen, da gerade jetzt schleichendes und kriechendes Getier aller Art in Gras und Gebüsch sein Wesen treibt.
Zwei merkwürdige Gewächse der Küstenregion des Hererolandes.
Zwei Gewächse der in der Nähe des Ozeans sonst überaus sterilen Namib fesseln namentlich unsere Aufmerksamkeit: es sind dieses die I/Vsi- rvitLoüia mirnbilis Llooü. und die nicht minder interessante sie^os üorriäa IVslw. Die erstere, die Welwitschia, aus Abbildungen und Beschreibungen genügend bekannt, kommt auf der Namib bis nach Hailguinchab zerstreut in zahlreichen Exemplaren vor. Der gegen allzu- scharfe Erwärmung und daraus resultierende übermäßige Verdunstung durch eine dicke Korkschicht wohl geschützte „Stamm" steckt meist vollständig im Sande, während die in Längsstreifen zerschlitzten, bis 3 m langen Blätter in oft wunderlichen Verkrümmungen dem Sande aufliegen. Der nächst nördlich bekannte Standort der Wetwitschia ist das Kap Negro, südlich der portugiesischen Stadt Mossamedes, von wo sie Wel witsch 1860 nach Europa sandte.
Die Naras (^. 6 untii 08 io ^08 tzorrläa), ein zu der Familie der Cucurbitaceen gehöriges Gewächs, ist ebenfalls erst durch Welwitsch der wissenschaftlichen Forschung zugänglich gemacht worden, obwohl sie längst vor ihm schon von Kapitän Alexander (der sogar die Frucht trefflich abgebildet hat), von Andersson und Galion beobachtet und beschrieben worden war. Ihr Verbreitungsbezirk scheint sich von Sandwichhafen bis zum Kap Negro hinauf zu erstrecken, wie aus den Berichten Anderssons hervorgeht, der ihr Vorkommen bis Kap Croß und in der großen Fischbai erwähnt. Nach Th. Hahn soll die Naras auch am Oranjesluß sich vorfinden, doch dürfte sie dort, wenn diese Beobachtung überhaupt auf Tatsachen beruht, wohl nur angepflanzt sein, da sie sonst südlich von Sandwichhafen noch nicht gefunden worden ist.
Die üorriäa. bildet kugelige, 1 bis l^/s m hohe Konglomerate vielfach verzweigter, biegsamer, blattloser Zweige, die mit paarig gestellten Dornen besetzt sind. Die Wurzel ist dick und reicht durch den lockeren Dünensand bis zum Spiegel des unter dem Sande durchsickernden
Z Or. 5z. Schinz: „Deutsch-Südwestafrika", S. 466—68.
2) Kürbisgewächse.