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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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/V. Die afrikanischen Schutzgebiete.

lich bei uns an. Er war zur Verstärkung des Postens Zarradt abge­schickt worden, der am 27. hart bedrängt wurde, und kehrt nun zurück. Von Diestel und .Sander, die mit nur acht Mann die Geschütze ver­teidigt und in größter Gefahr geschwebt hatten, erfuhren wir die Vor­gänge bei der 1. Kompagnie:

Diese war unter per heldenmütigen Führung des Hauptmanns v. Estorff um § 1/2 Uhr morgens in den Haupteingang der Naukluft eingedrungen, nachdem die Geschütze die aus den Höhen rechts und links liegendeil Schanzen unter Feuer genommen hatten. Heftiger Widerstand empfing die sprungweise vorgehenden Schützenlinien, die aber in unauf­haltsamem Vordringen blieben und den Feind, der sich ganz gedeckt in vorzüglichen Stellungen befand, nach furchtbaren Anstrengungen zurück­warfen. Hauptmann v. Estorff, der am linken Fuß verwundet wurde, blieb gleichwohl zu Pferde und bei der Kompagnie, die unter Kreuz- und Rückenfeuer von den Berghängen, nachdem das erste Gefecht am Schlnchteingang um 8 Uhr beendet war, um 11 Uhr die Hottentotten aus einer zweiten Stellung im Schluchtinnern geworfen hatte. .Schon waren mehrere schwere Verwundungen zu verzeichnen, und Leutnant Volkinann mußte mehrfach seitwärts gegen die Schanzen an den Berg­abhängen vorgehen. Nur eine Stunde später entbrannte in der Haupt­werft Witboois ein neuer Kampf, und der Feind zog sich trotz heftigen Geschütz- und Gewehrfeuers erst zurück, als es Volkmann gelungen war, eine die feindliche Stellung überhöhende Klippe zu erklimmen.

Der Entsatz von Omarurn. Z

Am folgenden Tage wurde um 4 Uhr 30 morgens wieder an­getreten und Osombimbambe erreicht, wo die Werften des Hererohäupt- lings Manasse durchsucht und leer gefunden wurden. Hauptmann Franke hoffte, daß das bloße Erscheinen seiner Kompagnie den Omaruru-Hereros Furcht einjagen und sie wieder beruhigen würde. Um den Eingeborenen das Erkennen seiner Person zu erleichtern, legte er eine weiße Kord­uniform an und ritt seinen im ganzen Bezirk Omaruru bekannten Schimmel.

Als die Kompagnie gegen 9 Uhr vormittags auf etwa 1500 m an das Haus Manasses herangekommen war, erblickte man im Grunde östlich des Weges eine große Viehherde, die von ihren Wächtern eiligst nach Norden weggetrieben wurde. Zur Feststellung der Ursache hiervon wurde der Zug des Oberleutnants v. Nathusius nach rechts hin entsandt; er war aber nur wenig hundert Meter geritten, als er Feuer erhielt. Kurz nach

Z Kriegsgesch. Abteilung I des Großen Generalstabes: Die Kämpfe der deut­schen Truppen in Südwestafrika. S. 48. Mit gütiger Erlaubnis des Verlages E. S. Mittler L Sohn, Berlin.