Print 
Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
Place and Date of Creation
Page
67
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

II. Deutsch-Südwestafrika.

67

in die Höhe geschnellt. Sie betrug 1910 34,7 Mill. Davon ent­fielen auf Diamanten 27 Mill. auf Kupfer- und Bleierze 6,6 Mill. ^5. und noch nicht Vs Mill. -A. auf Erzeugnisse der Viehzucht. Die Gesamteinfuhr belief sich auf 44,3 Mill. -M und bestand aus denselben Gegenständen wie in Deutsch-Ostafrika. Der Vertrieb der einge­führten Waren geschieht teils in stehenden Läden (Ltorss), teils durch umherziehende Händler, die mit dem Ochsenwagen insFeld" gehen. Der Ochsenwagen ist das landesübliche Verkehrsmittel. Er wird von 14 bis 20 an langes Dursten gewöhnten Ochsen gezogen und überwindet bei seiner starken Bauart die schwierigsten Hindernisse. Zwar sind bereits mehrere größere Straßen angelegt worden, um den Verkehr zu er­leichtern. Für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes bedarf es aber natürlich besserer Einrichtungen. Eine Eisenbahn vom Hafenplatz Swa- kopmund nach der Hauptstadt des Landes (382 1cm) besteht seit Juli 1902. Eine andere Bahn geht von Swakopmund über Otavi, Tsumeb nach Grootfontein; eine dritte von Lüderitzbucht nach Keetmanshoop und entsendet von Seeheim eine Zweigbahn nach Kälkfontein. Eine Verbindung der Nord- und Südbahn durch eine Linie Keetmanshop Windhuk ist 1912 vollendet.

Mit dem Mutterlande steht die Kolonie durch die Dampfer der Hamburger Woermann-Linie und der Paketfahrt zweimal monatlich, durch Dampfer der Deutsch-Ostafrika-Linie alle drei Wochen in Ver­bindung. Auch für telegraphischen Anschluß des Schutzgebietes an Deutsch­land ist bereits Sorge getragen, und dieser wird bald direkt durch ein deutsches Kabel vermittelt. Reichspostanstalten befinden sich be­reits an 88 Orten, 66 haben Telegraphenbetrieb, 23 eine Ortsfern- sprecheinrichtung, Swakopmund und Lüderitzbucht Funkentelegraphie.

Verwaltung. Schule. Mission.

Das Schutzgebiet untersteht einem Kaiserlichen Gouverneur. Ihm zur Seite als vorwiegend beratendes Organ steht der Landesrat, der zur Hälfte von den Bezirksverbänden auf fünf Jahre gewählt, zur Hälfte vom Gouverneur ernannt wird und mindestens einmal jährlich zusammen­tritt. Eingeteilt wird das Land in 11 Bezirks- und 6 Distriktsämter, die wiederum in den Bezirksräten eine Art Selbstverwaltung haben. Geschlossene Ansiedelungen regeln ihre Angelegenheiten ähnlich unseren Städten. An ihrer Spitze steht ein Gemeindevorsteher und ein Ge­meinderat, der halb von den Gemeindeangehörigen in allgemeiner direkter Wahl,, halb durch die hauptsächlichsten Berufsstände gewählt wird. Die Schutztruppe zählt jetzt 2179 Mann, die Landespolizei 720 Mann.

Der Sitz des Gouverneurs und die Hauptstadt des Landes ist Windhuk, am nördlichen Abhang der Auasberge. Andere bedeutende