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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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II. Deutsch-Südwestafrika.

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In Nehoboth ist das Hauptquartier der Bastards. Sie sind ein sehr wertvolles Bevölkerungselement, da sie arbeitsame und geschickte Leute sind.

Die Mission, die gerade in Deutsch-Südwestafrika seit langen Jahren tätig gewesen ist, hat besonders unter den Hereros, den Namas und den Bastards große Erfolge zu verzeichnen. Unter den Ovambos hat die heimische Mission erst in neuerer Zeit ihr Werk begonnen.

Die weiße Bevölkerung betrug am 1. Januar 1911 14 000 Seelen. Infolge der günstigen Siedelungsbedingungen ist der Zustrom von An­siedlern immer noch im Steigen. Sie vermehrt sich besonders durch die Niederlassung ausgedienter Mannschaften der Schutztruppe.

Produktion des Landes. Gewerbesleitz.

Infolge der von Natur ungünstigen Boden- und Wasserverhältnisse wird der Ackerbau von den Eingeborenen nur stellenweise und meist in der Form des Gartenbaues getrieben. Nur die Ambo, die unter tropischen Bedingungen leben, sind eigentliche Ackerbauer; sie bauen Mais und Kafferkorn. Die Bastards ziehen Mais, Weizen, Tabak, Kürbisse und Melonen. Sonst werden an pflanzlichen Erzeugnissen noch die Kerne des Narastrauchs und etwas Gummiarabikum gesammelt.

Die weißen Siedler haben mit vielem Glück europäische Gemüse und Obstsorten eingeführt, auch Versuche mit der Weinkultur gemacht. Die Versuche mit Feigen, Dattelpalmen, Eukalyptus, Kasuarinen, Sisal- agaven, Maulbeerbäumen, Akazienarten, Sojabohnen, Baumwolle sind noch nicht abgeschlossen, versprechen aber zum Teil guten Erfolg. Eine größere Ausdehnung dieser Kulturen ist indessen davon abhängig, ob es gelingt, die Frage der künstlichen Bewässerung mit Hilfe von Stau- dämmen und Brunnenanlagen befriedigend zu lösen.

Immerhin wird auch in Zukunft die Viehzucht den Ackerbau über­ragen, wenngleich sie von einer Reihe schwerer Seuchen bedroht wird; ihre Erzeugnisse, wie Schlachtvieh, Häute, Felle, Wolle, Hörner, wer­den nächst denen des Bergbaues die vornehmsten Handelsprodukte der Kolonie bilden. In erster Linie steht die Rinderzucht, die sich schnell von den Folgen des Hereroaufstandes erholt hat. Durch Einfuhr von Zuchttieren aus Deutschland und Südafrika, sowie durch Kreuzung der einheimischen Rasse mit Simmenthaler, Algäuer und ostfriesischem Vieh ist der Rindviehbestand vermehrt und verbessert worben. Die Pferdezucht macht, gefördert durch das Gestüt Nauchas, gute Fort­schritte. Die Zucht von Fleisch-, Woll- und Karakulschafen/) Ziegen, besonders Angoraziegen, ist von den Ansiedlern in Angriff genommen

i) Sie liefern Pelzwerk, das als Krimmer und Persianer in den Handel kommt.

Seidel, Koloniales Lesebuch. 3. Aufl.

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