Teil eines Werkes 
[Bd.] 3 (1885) Ost-Afrika und das Seeengebiet
Entstehung
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Mombassa.

Sansibar.

Nkae Ostküste Afrikas ist im vergleich mit dem Interesse, welches in jüngster Zeit die Westküste erregte, ziemlich stiefmütterlich behandelt worden. Als der europäisch-ostindische Handel sich noch auf dem weiten Wege um das Kap bewegte, lag sie abseits von der großen Handelsstraße, und die Eröffnung des Kanals von Suez

hat an diesem Verhältnis nicht viel geändert, während die langgestreckte Westküste einer bunten Musterkarte von Kolonien glich und Engländer, Franzosen, Portugiesen, Spanier, Holländer u. s. w. sich dort festgesetzt hatten, waren die jDortugiesen die einzigen Europäer, welche an der Rüste zwischen Kap Guardafui und dem Sambesi Fuß faßten und einen großen Küstenstrich unter den Schutz ihrer Flagge stellten. Nördlich von ihren Besitzungen erhielt sich bis auf unsere Zeit ein großes mohammedanisches Reich, das Sultanat Sansibar, in welchem die von den Arabern aus ihren Eroberungszügen nach Süden getragene Kultur Wurzel gefaßt hat und das zum Mittelpunkt eines lebhaften Handels wurde, aber Europäer begannen in demselben erst spät eine Rolle zu spielen, und lange Zeit hindurch befand sich der Handel Sansibars fast ausschließlich in den Händen von Arabern und Indern. Dieses Jahrzehnt scheint das versäumte mit Riesenschritten nachholen zu wollen, und seitdem die durch unsere Landsleute erworbenen Gebiete im Hinterlands von Sansibar unter den Schutz ^ des deutschen Reiches gestellt worden sind, ist man aus einem Extrem ins andere gefallen und will nun plötzlich

H in dem früher kaum beachteten Lande ein Eldorado entdeckt haben, in welchem die größten Schätze nur Ver­

kündigen Hand harren, welche sie hebt. Um so größere Vorsicht ist daher bei Prüfung der vorhandenen Be­richte erforderlich, wenn wir unser Urteil nicht durch die augenblickliche begeisterte Stimmung beeinflussen lassen und ein richtiges Bild der Verhältnisse gewinnen wollen.

Europas Aolonien. III.

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