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I)r. Ernst Wagenmnn.
nach außen besser verbürgt, ja die katholische Kirche wirkt in gewisser Weise darauf hin, daß das deutsche Element mit dem einheimischen verschmilzt.
Glücklicherweise sind die Beziehungen zwischen den Katholiken und Protestanten, die, wie wir uns erinnern, in der ersten Zeit der Kolonisation so viel zu wünschen übrig ließen, gegenwärtig durchaus korrekte, was leider unter den Deutschen in Südamerika noch heute nicht überall der Fall ist. Allerdings besteht zwischen den Angehörigen der beiden Konfessionen kaum irgendwelche Fühlung. Konfessionelle Mischheiraten sind sehr selten.
3. Das Schulwesen.
Die ersten deutschen Kolonisten brachten die Anfangsgründe des Wissens aus ihrem Vaterlande mit, und auch ihre älteren Kinder hatten die erste Schulbildung bereits genossen. Für die jüngeren bot sich nun aber zunächst keine ordentliche Gelegenheit lesen und schreiben und rechnen zu lernen. Denn der häusliche Unterricht, den die Mütter und älteren Geschwister hier und da Wohl erteilten, konnte den völligen Mangel an Schulen nicht ersetzen. So ist denn die zweite Kolonistengeneration fast ganz ohne Schulbildung groß geworden. Manche haben zwar — ein schöner Zug geistiger Strebsamkeit — noch als Erwachsene das Buchstabieren erlernt, aber Wohl die meisten sind Analphabeten geblieben.
Trotzdem haben sie alle die Einsicht gehabt, Schulen zu errichten. Aus eigenem Antriebe haben sie, die Abkömmlinge armer pvmmerscher Tagelöhner, bedeutende Opfer gebracht, um ihren Kindern die Grundlagen geistiger Bildung zu verschaffen, die sie selber haben entbehren müssen. In der jungen Gemeinde Santa Joanna beträgt das Schulgeld z. B. 16 Milreis, über 20 Mark für das einzelne Schulkind jährlich. in Campinho 10, in Santa Leopoldina 6—12 Milreis. In Cam- pinhv hörte ich von einem Kolonisten, der sich für 200 Milreis jährlich einen Hauslehrer angestellt hat. Am meisten haben die Sachsen und Schweizer für das Schulwesen getan.
Allerdings ist auch heute noch der Unterricht, den die Jugend genießt, auf das Elementarste beschränkt.
Die Schulzeit ist sehr knapp bemessen. Nur zwei Jahre lang, drei Tage in der Woche, oder drei Jahre hindurch, zweimal wöchentlich, wird die Schule besucht. Der Schultag hat vier bis fünf Stunden.