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Teil 5 (1915) Die deutschen Kolonisten im brasilianischen Staate Espirito Santo / von Ernst Wagemann
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Die deutschen Kolonisten im brasilianischen Staate Espirito Santo. 111

hervor, «so daß die Stelle kraterartig erscheint. Die Flüssigkeit trocknet wieder, und der Rand beginnt von neuem zu nässen. Das wiederholt sich mehrmals und führt zu mark- und talergrvßen Wunden. Diese Hautkrankheit ist zwar ungefährlich, aber höchst lästig und oft von monatelanger Dauer. Viele sind der Meinung, daß diese Wunden durch die kleinen Zecken (Oarraxato, in der Kolonistensprache Kara- batten) hervorgerufen werden, die sich an der Haut des Menschen fest­setzen. Die herrschende Vorstellung ist, daß die Genesung ein Zeichen der vollendeten Akklimatisation sei; daher die Bezeichnung: Klima­wunden.

Neben den Zecken gehören zu den kleinen Plagen des Landes die Sandflöhe, die sich meist unter den Fußnägeln einnisten und oft nur unter Schmerzen entfernt werden können. Sie spielen selbst im Leben des wenig sensiblen Kolonisten die Rolle jener Kleinigkeiten, die bei vereinter Wirksamkeit das irdische Dasein aller Freudigkeit berauben können.

4. Die Hygiene.

Als bemerkenswerte Tatsache sei zunächst festgestellt, daß in den deutschen Siedlungen weder Hebammen noch Ärzte tätig sind. Zwar leben in den Städten, in Porto do Cachoeiro und Victoria, eine Reihe von brasilianischen Medizinern, aber aufs Land hinaus gehen sie nicht oder nur für Honorare, die in den einfachsten Fällen 300500 Milreis betragen und soviel Wohl auch betragen müssen, da jeder Besuch eine oder mehrere Tagereisen erfordert. Für den Kolonisten sind es jeden­falls unerschwingliche Summen, .ganz abgesehen davon, daß der Arzt oft zu spät kommen würde.

Die Rolle des Arztes muß daher der Pfarrer oder der Vendist oder auch ein kundiger Kolonist übernehmen, die alle durchweg aber nur einfache Hausmittel zur Anwendung bringen können. Eine cha­rakteristische Figur auf der Kolonie ist auch derSchlangendoktor", den Wernicke sehr hübsch wie folgt gezeichnet hat 5:Verstreut in der Kolonie gibt es einige wenige Leute, die sich den Ruf einer besonderen Geschicklichkeit in der Behandlung von Schlangenbissen erworben haben. Sie sammeln sich eine Klientel in ihrem Bezirk; jedes Mitglied der­selben zahlt ihm jährlich eine Abgabe von 24 Milreis, wofür er verpflichtet ist, seinen Kunden ohne Extravergütung im Bedarfsfälle

^ S. 109.