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Teil 5 (1915) Die deutschen Kolonisten im brasilianischen Staate Espirito Santo / von Ernst Wagemann
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Die deutschen Kolonisten im brasilianischen Staate Espirito Santo. 109

Sterblichkeit, also ungefähr 6 »/« der Geburtenzahl, in Espirito Santo hingegen etwa 20 °/o der gesamten Sterblichkeit, was allerdings hier nur 34 o/o der Geburtenzahl ausmacht.

Daß die Kolonisten im Durchschnitt ein hohes Alter erreichen, geht schon aus der geringen Gesamtsterbeziffer hervor. Zwar haben in Espirito Santo, wie in Deutschland, nur 30 o/o der Gestorbenen ein Alter von über 60 Jahre erreicht; da aber in Espirito Santo die höheren Altersklassen bei der großen Geburtenzahl viel schwächer be­setzt sind, als in Deutschland, so bedeutet das, daß dort verhältnismäßig mehr Leute das Greisenalter erreichen, als bei uns. Ich habe eine ganze Reihe von Kolonisten kennen gelernt, die sich mit 70 und 80 Jahren großer Rüstigkeit erfreuten.

3. Die Krankheiten.

Von ärztlicher Seite liegen hierüber leider keine Mitteilungen vor, so daß wir uns mit den Angaben der Pfarrer begnügen müssen 2 .

Als die häufigste Ursache der Säuglingssterblichkeit finden wir in den KirchenbüchernKrämpfe" undBrechdurchfall" verzeichnet. Man wundert sich, daß der Brechdurchfall im ganzen nur wenig Opfer fordert, wenn man sieht, daß schon kleine Kinder von drei, vier Mo­naten oft statt Milch zwar kein Fleisch, aber Bohnen, Nudelsuppe, Kaffee bekommen. Oder sollte das die richtige Diät sein? Ein übler Brauch ist der, daß man selbst den kleinsten Kindern, um sie einzu­schläfern, Schnaps verabreicht zuweilen vielleicht eine Ursache der Krämpfe. Auch Keuchhusten unter den Kindern kommt oft vor. Di- phtheritis dagegen tritt, wenn überhaupt, nur sehr selten auf. Im übrigen läßt sich folgendes beobachten:

Obwohl die brasilianische Bevölkerung in Espirito Santo von Zeit zu Zeit unter schweren Epidemieu zu leiden gehabt hat^, sind die deut­schen Kolonisten, zumal die des Hochlandes, wenig davon betroffen worden. Im Jahre 1894/1895 z. B. trat das Gelbe Fieber in Victoria und Porto do Cachoeiro auf. Manche der in diesen Städten wohnenden Europäer fielen der Epidemie zum Opfer, die Kolonisten blieben aber mit wenigen Ausnahmen verschont. Bald darauf suchte die Cholera

^ Die folgenden Bemerkungen darüber haben daher nur sehr bedingt en Wert. ^ Von kompetenter Seite nachträglich bestritten.

^ N6U8LA6M äo Urssiäsnts vom 17. September 1895, S. 6 ss.