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Dr. Ernst Wagemann.
Im Backofen gedörrte Pfirsiche werden als Kompott gegessen. Pfirsichsuppen mit Mehlklößen sind ein beliebtes Gericht.
9. Kaffee ist das Hauptgetränk. Tee und Wein werden so gut wie gar nicht genossen. Der Bier- und Schnapskonsum ist dagegen beträchtlich. Milch wird wenig getrunken; nur dicke Milch wird im Tieflande sehr geschätzt.
Wir sehen, daß dem Kolonisten im ganzen eine recht kräftige Kost zur Verfügung steht. Allerdings ist sie ziemlich eintönig, weil die Zubereitung sehr einfach und wenig würzig zu sein pflegt. Vor allem läßt man es auch an der täglichen Abwechselung fehlen.
Es bedarf Wohl kaum der Erwähnung, daß die Gepflogenheiten beim Einnehmen der Mahlzeiten ebenso schlicht sind wie die Kost selbst. Die Abneigung, mit den Tischnachbarn aus ein- und demselben Gefäße zu trinken oder zu essen, besteht noch nicht. Anderseits ist mir aufgefallen, daß der Gebrauch des Tischtuches ziemlich verbreitet ist. Selbst arme Kolonisten leisten sich zuweilen diesen Luxus, und zwar nicht nur zu Ehren des Gastes.
Alles in allem finden wir, daß die Kolonisten, wie in Kleidung und Wohnung, so auch bei der Ernährung die Gewohnheiten der alten Heimat möglichst beibehalten haben.
5. Die Hochzeitssitten.
Auch die Feste werden im allgemeinen nach alter Weise gefeiert. Bei den Hochzeiten hat sich das Bild freilich insofern geändert, als in Espirito Santo der Weg zur Kirche ganz allgemein, von Männern wie Frauen, im Sattel zurückgelegt wird. „Auf geschmückten Maultieren oder Pferden reiten die Brautleute zur Kirche, gefolgt von den Brautführern und Brautjungfern, die hin und wieder auf dem Wege im Chor ein Helles oder dröhnendes Jauchzen anheben, das weithin über Wald und Weide dringt und den Brautzug schon von ferne meldet. Der Hochzeitsbitter ist der vorderste; oft schwingt er eine bekränzte Flagge in der Hand. Er ist's, der die Gäste alle einlud. Den Hut mit bunten Bändern geschmückt, so war er auf bekränztem Tiere ausgezogen. Wo er jemanden einzuladen hat, da tritt er, nachdem er vielleicht durch das landesübliche Händeklatschen vor dem Hause seine Anwesenheit gemeldet hat, unaufgefordert ins Zimmer hinein, geht im Kreise umher und bringt dabei seinen Auftrag in Reimen an. Dann läßt er sich auch Wohl stärken, wenn man ihn nicht vorher schon zu sehr gestärkt