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Dr. Ernst Wagemann.
4. Die Ernährung.
Die Mahlzeiten sind die folgenden: Vor der Arbeit, zwischen 6 und 7 Uhr, gibt es Kaffee und Brot mit Butter oder Schmalz. Wenige Stunden später wird ein zweites Frühstück eingenommen, das aus Kaffee und Brot, gekochtem oder gebratenem Fleisch und Eiern besteht. Zum Mittagessen, der Hauptmahlzeit, gibt es Fleisch, Knollenfrüchte, Reis, Gemüse, insbesondere Kohl, und außerdem Brot oder Bohnen und Manniokmehl. Abends, zwischen 7 und 8 Uhr, hat man wieder Kaffee, Brot und Eier. Im übrigen werden die Reste des Mittagessens verzehrt. Sonntags ist das Menü etwas mannigfaltiger. Geflügel, Hühnerbrühe, Pfirsich- oder Milchsuppe kommen auf den Tisch. Im einzelnen ist nun über die Nahrungsmittel Verschiedenes zu sagen:
1. Fleisch wird recht viel, wie wir gesehen haben, täglich zwei- bis dreimal, genossen. In der Hauptsache wird Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch konsumiert (s. Kapitel IV, 8). Eine Familie von acht bis zehn Kindern schlachtet alle 4—8 Wochen ein Schwein, das in Salz, selten in Fett konserviert wird. Ab und zu, aber nicht alle Jahre, wird ein Rind geschlachtet. Das Fleisch wird, wenn man es nicht mit Schweinefleisch vermischt zu Wurst verarbeitet, entweder eingepökelt oder als Dörrfleisch aufbewahrt. Zumeist wird das Dörrfleisch (Oarne 86oeu) importiert. Der Konsum hiervon ist am größten in den Gebieten mit geringer Viehzucht, in Campinho und Santa Leopoldina. Dörrfleisch, das für eine Europäerzunge im allgemeinen kein Leckerbissen ist (wenigstens in der brasilianischen Zubereitung), gilt auch dem im Lande geborenen Kolonisten in der Regel als ein Surrogat, mit dem er nur vorlieb nimmt, wenn kein anderes Fleisch zu haben ist.
Im Tieflande werden ziemlich viel Flußfische gefangen und durch Dörren und Räuchern konserviert. Eier, Käse und Butter — das sei noch hervorgehoben — spielen bei der Ernährung der Kolonisten eine große Rolle.
2. Brot wird zu allen Mahlzeiten — teilweise mit Butter oder Schmalz — in großen Mengen gegessen. Im allgemeinen wird Maisbrot konsumiert (Kapital IV, 5), in das man zerriebene Cara oder Batate und ferner ein wenig Weizenmehl hineinzubacken Pflegt. Es ist ein sehr dichtes, an die Verdauungskraft große Anforderungen stellendes Gebäck. Ähnliches ist vom Weizenbrot der Kolonisten zu sagen,