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Teil 5 (1915) Die deutschen Kolonisten im brasilianischen Staate Espirito Santo / von Ernst Wagemann
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Die deutschen Kolonisten im brasilianischen Staate Espirito Santo. 101

befestigte Tragstange befindet, woran die Kochgefäße mittels eines Doppelhakens hängen. Der Deckbalken dient auch zum Aufhängen von Speck usw., so daß die Küche gleichzeitig Räucherkammer ist. Vielfach werden in der Küche auch die Mahlzeiten eingenommen. Bei manchen Kolonisten findet man statt des offenen Herdes einen aus Back- oder Feldsteinen gemauerten Ofen mit Schornstein und Ofenplatte. Ein besonderer Backofen darf natürlich nirgends fehlen. Im Tieflande habe ich gesehen, wie ein Termitenhaufen dazu ausgebaut war, was der Merkwürdigkeit halber erwähnt fei.

Das etwa ist das typische Bild eines deutschen Kolonistenhanses. Die individuellen Unterschiede sind recht gering, wenn man von jungen Ansiedlungen absieht, wo für eine einigermaßen behagliche Aus­stattung der Wohnung weder Geld noch Zeit übrig ist. Im Hochlande kommt es nur selten, im Tieflande schon häufiger vor, daß auch ältere Höfe von der Norm erheblich nach unten abweichen. Fensterscheiben be­trachtet man im warmen Tieflande als überflüssigen Luxus.

3. Die Kleidung.

Arbeitskleidung der Männer im Hochlande: Hose mit Bauchriemen und Bluse, Unterhosen und Hemd, keine Schuhe und Strümpfe; im Tieflande nur Hose und Bluse.

Arbeitskleidung der Frauen und Mädchen im Hochlande: ein oder mehrere Röcke, ein oder mehrere Jacken, Hemd, Schürze, Kopftuch, weder Hosen noch Schuh und Strümpfe; im Tieflande: Jacke, Rock, Hemd, Unterrock, Schürze, Kopftuch.

Sonntagskleidung: Die ersten Schuhe und Strümpfe bekommen die Kinder zur Konfirmation; die Mädchen oft Lackschuh und Weiße Strümpfe, dazu ein Weißes Kleid mit vielen Spitzen sowie roten und blauen Schleifen, als Halsschmuck eine bunte Glasperlenkette. Die Knaben erhalten außer Schuhen und Strümpfen einen schwarzen An­zug, Gurt und Filzhut.

Das Festkleid der Erwachsenen ist der Hochzeitsanzug. Die Braut trägt oft statt eines Weißen ein schwarzes Kleid. Mit einem Schleier schmücken sich die Bräute nur bei den Sachsen und Schweizern. An der Hand tragen sie gerne Silberringe. Der Trauanzug der Männer unterscheidet sich nicht wesentlich vom Konfirmationsanzug, nur daß jetzt auf einen schönverzierten Gurt viel Wert gelegt wird.