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Teil 5 (1915) Die deutschen Kolonisten im brasilianischen Staate Espirito Santo / von Ernst Wagemann
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Dr. Ernst Wagemann.

Wie die örtlichen Verhältnisse den Kaffeepreis beeinflussen, ergibt sich aus dem folgenden:

Am 6. Oktober 1913 z. B. wurde in Victoria für 15 7 s 6 ä, in

Rio de Janeiro 8 s 8 ä notiert. Die Differenz macht also über 1 s aus.

In Porto do Cachoeiro Pflegt der Preis pro 15 um 300 Reis niedriger zu sein als in Victoria: entsprechend dem Frachtsatz, der, wie wir gesehen haben, etwa 250 Reis pro 15 KZ- beträgt. Aus der Kolonie wird der Kaffeepreis durchschnittlich um weitere 500 Reis tiefer stehen.

Was nun die Bewertung des Victoria-Kaffees auf dem Weltmarkt betrifft, so ist darüber zu sagen, daß der Santos-Kaffee im ganzen höhere Preise erzielt: in den Vereinigten Staaten werden etwa 5 o/o, in Hamburg etwa 10 o/o mehr bezahlt, was sich leicht damit erklärt, daß der Kaffee in Espirito Santo kleinbetrieblich gewonnen und auf sehr primitive Weise verarbeitet wird, während im Staate SZo Paulo der technisch meist besser ausgerüstete Großbetrieb herrscht, so daß dort ein einheitlicheres Produkt erzielt wird.

Übrigens wird in Victoria der Kaffee in eine helle und dunkle Qualität sortiert. Der helle Kaffee erzielt wegen seines angenehmen, weichen Geschmacks etwas höhere Preise.

Wie bereits erwähnt (siehe Einl.), ruht auf der Kaffeeausfuhr ein Wertzoll. Allwöchentlich wird in Rio de Janeiro der zu entrichtende Zollbetrag festgesetzt und nach Victoria telegraphiert.

9. Die Preise der Importwaren und der Landesprodukte.

Infolge der ungünstigen Verkehrsverhältnisse und der primitiven Organisation des Handels, teilweise auch infolge der hohen Einfuhr­zölle und der Währungsverhältnisse sind die Preise der aus dem Aus- lande und den brasilianischen Südstaaten importierten Artikel sehr hoch. Aber auch die in Espirito Santo selber und im Nachbarstaate Minas Geraes für den inländischen Markt produzierte Ware ist nicht so billig, wie man es in einem Gebiet stark vorherrschender Eigen­wirtschaft erwarten könnte.

Ein Hauptgrund dafür scheint mir der, daß* das Geld hier im wesentlichen dazu dient, Importgüter zu kaufen, daß es also in der Hauptsache Anweisung auf Importgüter darstellt; da nun deren Preise sehr hoch stehen, da die Kaufkraft des Geldes m. a. W. den Import­gütern gegenüber sehr gering ist, so ist was sich allerdings nur