Die deutschen Kolonisten im brasilianischen Staate Espirito Santo. 81
Monokultur und der Kleinbetrieb. Es wäre jedoch verkehrt, darin Zeichen wirtschaftlicher Untüchtigkeit und Unfähigkeit zu sehen. Diese Wirtschaftsweise ist vielmehr, wie ich gezeigt zu haben glaube, tief in der Natur der äußeren Verhältnisse begründet. Während nun aber der Kleinbetrieb eher ein Vorzug als ein Nachteil ist — wenigstens ist er das vom deutschnationalen Standpunkte, hemmt er doch die Verschmelzung mit dem einheimischen Element —, bedeuten Raubbau und Monokultur, besonders aber der Raubbau, eine wirtschaftliche und kulturelle Gefahr.
Aus dieser Erkenntnis heraus haben die Pfarrer der oberkirchen- rätlichen Gemeinden von Espirito Santo einen Verein, das Wirtschaftliche Komitee, gegründet und eine Reihe deutscher Firmen und Vereine in Rio de Janeiro und Deutschland für die vorliegenden Probleme interessiert 3. Das Komitee hat sich als Aufgabe gesetzt, die Kolonisten zu rationellerem Betrieb anzuleiten, um ihre Seßhaftigkeit herbeizuführen. Die Aufgabe ist außerordentlich schwierig und vielseitig, und sie bedarf zum Gelingen der tatkräftigen Unterstützung des deutschen Handels, der deutschen Industrie und überhaupt aller Kreise, die überseeische Interessen vertreten. Aber sie muß, gelingen, wenn anders das Deutschtum iu Espirito Santo kulturell und national gerettet werden soll.
Sechstes Kapitel.
Die verkehrswirtschaftlichen Tatsachen.
1. Allgemeines.
Der kleinbäuerlichen Wirtschaft entspricht in der Regel ein wenig entwickelter Verkehr.
Der Güter- und Menschenaustausch unter den einzelnen Wirtschaften ist sehr gering. Wie schon festgestellt wurde, arbeitet der Kolonist fast ohne bezahlte Arbeitskräfte. Die Mitarbeit ist so gut wie die einzige Form fremder Arbeitshilfe. Selbst gegen hohen Lohn ist es schwer, Gesindedienste zu erlangen: die immer wiederkehrende Klage der deutschen Pfarrfrauen.
3 Das deutsche Kalisyndikat hat sich um die Sache besonders verdient gemacht.
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Schriften 147. V.