Die deutschen Kolonisten im brasilianischen Staate Espirito Santo. 85
nistensprache heißt (nach dem portugiesischen I'rsAusL), bedeutet schon viel. Mehr als 80—100 Kunden werden selbst die größten Vendisten nicht haben. Immerhin haben es schon manche zu einem Vermögen von 100 000 Milreis und mehr gebracht.
Die kleineren Vendisten leisten die ganze Arbeit des Betriebes, mit dem natürlich immer eine kleine Bauernwirtschaft verknüpft ist, ohne sremde Hilft; die größeren haben — außer der Begleitmamr- schast der Maultiere und außer wenigen Dienstboten — im Laden einen bis drei Angestellte, die Oaxsiros.
Die besonderen Anforderungen, die an die Vendisten gestellt werden, machen es erklärlich, daß wir unter ihnen manchen Reichsdeutschen mit guter Schulbildung antreffen.
5. Der Wanderhandel.
. Neben den Vendisten sind die fahrenden Händler aus dem Nachbarstaate Minas Geraes, Ninelros, zu nennen. Die einen importieren von dort her Schlachtvieh, die anderen Maultiere und Pferde; vielfach sind es ü'arisnäsiroS) Grundbesitzer, selber, die diesen Handel betreiben. Wieder andere bringen Tabak, andere Sattelzeug, und meist ist es auch in diesen Fällen der Produzent, der als Händler auftritt: auf Lasttieren führt er seine Ware mit sich, um sie an wichtigen Verkehrspunkten zur Schau zu stellen und zu verkaufen.
Dieser Wanderhandel, ein Stück altbrasilianischen Lebens, erinnert an die Urzeiten des Wirtschaftsverkehrs. Er ist jedoch im Schwinden begriffen und wird in dem Maße, wie sich die Verkehrsverhältnisse verbessern, wie insbesondere die Eisenbahn vordringt, immer mehr zurückgehen.
6. Die Maultiertruppe.
Vorderhand ist freilich noch das wichtigste Verkehrsmittel im deutschen Siedlungsgebiete das Maultier.
Der Gütertransport wird von Maultierkarawanen, Maultierzügen bewerkstelligt. Ein solcher Zug wird in der Kolonistensprache Truppe oder Troppe genannt (vorn portugiesischen Dropa). Er besteht aus mehreren, gewöhnlich drei von je einem Maultiertreiber (Dropsiro) geführten Lotts (Uots) zu 10 Maultieren. Der Führer des ganzen