Die deutschen Kolonisten im brasilianischen Staate Espirito Santo. ZZ
3. Die Verschuldung.
Der wichtigste Entstehungsgrund der Verschuldung ist der Landkauf, so daß die meisten Schulden der jetzigen Kolonistengeneration aus der Zeit der letzten Kaffeehausse stammen, die den Grundstücksverkehr sehr anregte. Trunksucht und Erbschaftsprozesse haben gleichfalls in manchen Fällen zur Verschuldung geführt.
Gläubiger sind meist die Verwandten, die Nachbarn oder andere gute Freunde, die das Darlehen nur aus Gefälligkeit gewähren und nur selten gegen hypothekarische Sicherheit. Gewöhnlich wird einfach ein Schuldschein ausgestellt. Die Folge ist, daß der Gläubiger, insbesondere wenn der Schuldner stirbt, häufig genug sein Geld einbüßt. An Zinsen werden in der Regel nur 5—6 o/o erhoben, obwohl der landesübliche Zins in Brasilien 8—12 o/o beträgt. Ja, man betrachtet es fast als eine Art Bewucherung, überhaupt Zinsen zu nehmen.
Kaufmännischer, kapitalistischer wenn man so will, ist das Verhältnis zu den Händlern, den Vendisten, die sich natürlich den landesüblichen Zins berechnen. Auch sie werden teilweise durch die Beschaffung von Kaufgeldern zu Gläubigern, noch häufiger aber durch eine ausgedehnte Borgwirtschaft, die aber fast nie, wie in Süd- brasilien^, zu drückender Abhängigkeit geführt zu haben scheint. — Die Banken in Victoria haben übrigens keinerlei Fühlung mit den deutschen Kolonisten.
Wie hoch die Verschuldung unter den deutschen Kolonisten im ganzen ist, kann ich nicht annähernd sagen. Sie ist aber Wohl im allgemeinen gering. Die einzelne Schuldenlast ist natürlich selten größer als ein paar tausend Milreis, der höchste mir bekannt gewordene Betrag war 16 000 Milreis.
4. Die Vende und der Vendift.
Fast der ganze Handel im Kolonistengebiet wird von den Wenden beherrscht. Die Vende — vom portugiesischen a vsncka — ist das Kaufhaus, wo der Kolonist sich mit beinahe allen Bedarfsgegenständen versorgt, die er nicht selber erzeugt, und wo er seine Produkte, d. h. den Kaffee, absetzt. Diese Kaufhäuser liegen, wie die Kolonistenhöfe,
" Lacmann, S. 71 fs.
6 *