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Dr. Ernst Wagemann.
gönnen Wird und desto schleppender die Ernte verläuft. Die Arbeiten greifen hier mehr übereinander. Man beginnt im Hochland daher zuweilen schon im Juni mit dem Waldschlag. In der Hauptsache wird diese Arbeit aber im Juli und August getan. Schon im August wird teilweise mit dem Pflanzen begonnen. Die Pflanzzeit ist hier hauptsächlich der September, sie ragt aber noch in den Oktober hinein. Mit der Pflege der Kulturen beschäftigt man sich namentlich während der Monate Oktober bis Dezember, mit der Reinigung der Kaffeeberge auch noch im Januar und Februar. Inzwischen ist zu verschiedenen Zeiten Kaffee geerntet worden, schon von Mai an, und bis Dezember und Januar hinein, ziemlich regellos an diesem oder jenem Tage. Januar und Februar sind also im Hochlande nicht frei von Landarbeit, im ganzen ist es aber doch auch hier eine Ruhezeit. Im März, April und Mai hat man mit der Mais- und Bohnenernte zu tun. Ferner wird Kaffeeland hergestellt, und auch andere Kulturen bereitet man vor.
Fünftes Kapitel.
Die Kolonistenarbeit unter allgemeinen Gesichtspunkten.
1. Der Raubbau.
Man Pflegt die Wirtschaftsweise der deutschen Kolonisten als Raubbau zu brandmarken. Wenn man den Maßstab der europäischen Land- ^ Wirtschaft anlegt, so ist man in der Tat berechtigt, sie zu verurteilen. ' Der Boden, den die Kolonisten gar nicht oder so gut wie gar nicht düngen, wird ja durch den langjährigen Anbau seiner Pflanzenstoffe beraubt, so daß die Erträge zurückgehen und ein Zeitpunkt kommt, wo es nicht lohnt, ihn weiter zu bebauen. Dieser Zeitpunkt pflegt je nach Boden und ! Wirtschaftsweise in 15—40 Jahren einzutreten. Dann ist der Kolonist gezwungen, Haus und Hof aufzugeben und sich an anderer Stelle niederzulassen.
Unter europäischen Verhältnissen würde der Wert des Bodens es verlangen, Kapital (Dünger usw.) und vermehrte Arbeit zu investieren.
Da der Boden in Espirito Santo aber noch in fast unbeschränkter Menge zur Verfügung steht, so wird die Arbeit der Urbarmachung