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I)i-. Ernst Wagemann.
Werden Körbe und Siebe geflochten, Reparaturen ausgeführt, Maiskolben aufgestapelt usw. Im allgemeinen geht man aber sehr früh zuBett, Wohl durchschnittlich um 8 oder 9 Uhr. Der Kolonist, der ja erst um 5 oder 6 aufsteht, hat also eine Schlafenszeit von gut neun Stunden, was bei der ermüdenden Hitze und Lichteinwirkung, wie wir glauben möchten, eine Grundbedingung seiner Leistungsfähigkeit ist.
Wenn wir von der gelegentlichen Beschäftigung am Abend absehen, so haben wir hier im Winter gewöhnlich den achtstündigen Arbeitstag. Im Sommer wird, da dann die Landarbeit teilweise fortfällt, meist weniger gearbeitet; zuweilen, z. B. während der Kaffeeernte, > aber mehr, und zwar bis zu 10 und 11 Stunden. Auch im Winter kommt es vor, daß die Mittagspause überschlagen wird und so 10—11 Stunden herauskommen.
Man gewinnt den Eindruck, daß die Kolonisten in Espirito Santo weniger Zeit auf die Arbeit verwenden, als die Kleinbauern und Tage- , löhner in Deutschland, daß sie dafür aber zuweilen intensiver arbeiten. ! Jedenfalls haben sie ihre Arbeitskraft bewahrt, vielleicht sogar gesteigert.
6. Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau.
Natürlich kommen die Frauen in erster Linie für alle Arbeiten im Hause in Betracht. Sie kochen, und sie nähen und schneidern die Kleidung für die ganze Familie, selbst die Männeranzüge. Anderseits verstehen ebenfalls viele Männer zu kochen und zu nähen.
Die Frauen wiederum sind sehr viel auch auf der Kolonie beschäftigt; sie machen hier fast alle Arbeit mit, nur daß sie sich durchweg nicht am Waldschlag beteiligen. Viele Arbeiten, z. B. die Kaffeeernte, werden von allen Familienangehörigen gleichzeitig ausgeführt.
Eine ausgesprochene Arbeitsteilung beobachten wir in der Wartung des Viehs: Hühner und Schweine werden von den Frauen und Kindern gefüttert, ebenso wird von ihnen das Melken der Kühe besorgt. Die Männer dagegen nehmen sich der Reittiere an.
Im ganzen ist also die Stellung der Frau in der Wirtschaft der des Mannes ebenbürtig. ^
7. Das Wirtschaftliche Komitee.
Wie wir gesehen haben, sind es namentlich drei Dinge, die die Wirtschaftsführung der Kolonisten kennzeichnen: der Raubbau, die j