Die deutschen Kolonisten im brasilianischen Staate Espirito Santo.
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ferner zum Reinigen der Kaffeeberge und zur Kaffeeernte berufen zu werden.
3. Beim Hausbau (nur Männer).
4. Bei Erkrankung einer Familie.
5. Die Arbeitsleistung.
Auf die Frage nach der Intensität und Quantität der vom Kolonisten geleisteten Arbeit, insbesondere auf die Frage, ob das tropische Klima ihn in seiner Arbeitsfähigkeit beeinträchtige, läßt sich eine ziemlich allgemeine Antwort geben. Denn die individuellen Unterschiede sind geringer, als man da erwarten sollte, wo ein jeder sein eigener Herr ist und wo die Fruchtbarkeit des Landes und der Spielraum des Bodens es jedem ermöglicht, das Dasein mit dem Pflücken und Verzehren von Bananen zu fristen.
Das eine steht zunächst fest: die deutschen Kolonisten arbeiten alle weit über das Maß hinaus, welches zur Gewinnung des Existenzminimums nötig ist, so daß man sagen kann, daß selbst der lässigste Kolonist, von einigen wenigen notorischen Säufern abgesehen, immer noch fleißiger und rühriger ist als der Durchschnitt der einheimischen Landbevölkerung. Dabei ist die körperliche Leistungsfähigkeit des deutschen Urwaldbauern sehr groß, so daß er oft in kurzer Zeit gewaltige Leistungen vollbringt: bei Arbeiten, wie Waldschlagen, Haus- und Wegebau, Pikadenhauen, kommt ihm ein aus Deutschland neu ein- gewanderter Arbeiter nicht so leicht gleich. Allerdings macht er hie und da weitgehenden Gebrauch von seinem Selbstbestimmungsrecht. Wenn es ihm gerade paßt, läßt er den Feierabend statt um 6 schon um 5 Uhr beginnen. Oder statt zur Arbeit, geht er zur Wende und hält sich wegen eines kleinen Einkaufs daselbst stundenlang auf. Dergleichen ist aber doch ziemlich selten und beschränkt sich meist auf den Sonnabend.
Im Durchschnitt ist die tägliche Arbeitszeit nicht allzu lang. Der Kolonist erhebt sich von seinem Lager, wenn es dämmert, also im Winter kaum vor 6, im Sommer kaum vor 5 Uhr. An die Landarbeit geht er etwa um 7 Uhr. Bis list/z ungefähr wird — von einer kurzen Frühstückspause abgesehen — gearbeitet, oft sehr energisch, oft recht gemächlich. Dann wird zu Mittag gegessen. Um 2 Uhr im Hochland, im Tiefland um 3 Uhr, beginnt die Arbeit wieder und dauert bis zum Dunkelwerden, im Winter also bis gegen 6 Uhr, im Sommer etwas länger. Zuweilen wird noch abends beim Lampenlicht gearbeitet: es