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Oi-. Ernst Wagemann.
aufgäbe, z. B. zum Aufladen einer schweren Last, zum Schieben eines Balkens, zum Mähen einer Wiese, zum Treiben bei der Jagd. Die zu leistende Arbeit braucht an sich nicht für die Kraft eines einzigen zu schwer zu sein; es genügt schon, daß sie von ihm nicht in gehöriger Zeit vollendet werden kann, um die Verwendung einer Mehrzahl von Arbeitern vorteilhaft zu machen. Dies fällt besonders bei solchen Tätigkeiten ins Gewicht, welche an bestimmte Jahreszeiten gebunden oder von der Witterung abhängig sind. Auch soziale Rücksichten können die Beschleunigung gewisser Arbeiten gebieten."
Die Bittarbeit besteht auch in Espirito Santo ganz in der Form, wie Bücher sie beschreibt: „Die Nachbarn werden, so oft sich ein dringendes, mit den eigenen Kräften des Hauses nicht zu bewältigendes Arbeitsbedürfnis eingestellt hat, um Hilfe gebeten. Sie leisten diese zur festgesetzten Zeit ohne anderes Entgelt als die Bewirtung, welche ihnen der Hausvater in herkömmlichen Formen bietet, lediglich in der Erwartung, bei Bedarf von den eigenen Nachbarn in gleicher Weise unterstützt zu werden. Die Arbeit vollzieht sich im frohen Wetteifer unter Scherz und Gesang; am Abend schließt sich oft ein Tanz oder eine ähnliche Lustbarkeit an."
Es besteht Wohl kein Zweifel, daß die Kolonisten die Bittarbeit nicht erst in Brasilien kennen gelernt haben, sondern diesen Brauch aus ihrer alten Heimat herübergebracht haben; allerdings sind die Anwendungsgelegenheiten teilweise andere geworden, und zwar Pflegt die Bittarbeit in Espirito Santo insbesondere in folgenden Fällen herangezogen zu werden:
1. Beim Fosen (Sicheln mit dem Faschinenmesser). 20—30 Personen vereinigen sich zu diesem Zweck. Jeder übernimmt einen Streifen Waldland von 2—3 in zur Bearbeitung. Parallel zueinander schreiten die Leute bergaufwärts. Nachzügler werden verspottet, ja, es gilt geradezu als Schmach, nicht mitzukommen. Die erzieherische Wirkung der Bittarbeit liegt also auf der Hand. Ihre Kehrseite ist: daß sie leicht zu flüchtiger Leistung führt. Man hört daher Wohl von schlecht gesicheltem Walde sagen: „Das ist Juntamentsland." Wenn mit dem Fosen Weideputzen verbunden ist, so übernehmen diese Arbeit die jungen Mädchen. Das Niederlegen der Baumstämme wird in der Regel ohne Bittarbeit ausgeführt: wie mir gesagt wurde, wegen der damit verbundenen Gefahren.
2. Ein Juntament (von Männern und jungen Mädchen) pflegt