Die deutschen Kolonisten im brasilianischen Staate Espirito Santo. 77
Verkaufen, der dann die Aufbereitung und den Weiterverkauf übernimmt. Für den übrigen Anbau erhält der Halbpächter bestimmtes Land. Die darauf gebauten Produkte fallen ihm ganz zu. Meistens sind die Halbpächter Brasilianer und Italiener, zuweilen aber auch Deutsche, deren Mittel zur Bewirtschaftung eigenen Landes nicht ausreichen. Natürlich ist das System der Halbpacht in erster Linie durch die Schwierigkeit der Arbeiterbeschaffung, die nach der Sklavenbesreiung hervorgetreten ist, aufgekommen und ist daher nicht nur auf bergigem Land, sondern auch in der Ebene allgemein verbreitet.
Beim Landbau haben wir in Espirito Santo also so gut wie gar keinen Großbetrieb. Ein solcher besteht nur hinsichtlich der Aufbereitung der Produkte, insbesondere des Kaffees. Im Tiefland herrscht in dieser Beziehung geradezu eine Tendenz zur Betriebkonzentration, die sich aus den Wasserverhältnissen ergibt. Kleine Bäche sind hier selten. Es kommen also nur die größeren Wasserkräfte in Betracht, deren Ausnutzung sich der Fazendeiro sichert. Oder es sind keine Wasserkräfte vorhanden, so daß kostspielige Maschinen zur Gewinnung der Antriebskraft nötig sind: man verwendet hauptsächlich Deutzer Gasmotore. Natürlich kann der Kleinbauer sich solche Maschinen nicht anschaffen. Im Tiefland ist daher vielfach der Vendist Besitzer der Kaffeereinigungsmaschinen, und der Kolonist verkauft an ihn den rohen Kaffee. Es gibt hier überdies selbständige Kaffeereinigungsbetriebe.
Ein Haupthindernis für den Großbetrieb sind vorderhand auch die schlechten Verkehrsverhältnisse, die ungenügenden Absatzverhältnisse und die mangelhafte Warenversorgung.
4. Die BitLarbeit (Iuntament).
Die notwendige Ergänzung der kleinbäuerlichen und eigenwirtschaftlichen Produktion ist das Iuntament. Dies Wort der Kvlv- nistensprache ist aus dem portugiesischen ^suntanisnto entstanden, das im allgemeinen Vereinigung, Zusammenkunft, Versammlung, und im besonderen das bedeutet, was Bücher „in Anlehnung an den bei den Südslawen dafür gebrauchten Ausdruck" als Bittarbeit bezeichnet. (Die Entstehung der Volkswirtschaft. 9. Auflage. S. 278.) Er rechnet diese zu den Formen der Arbeitsgemeinschaft, insbesondere zur Arbeitshäufung. „Unter Arbeitshäufung verstehen wir die Aufbietung mehrerer gleichartiger Arbeitskräfte zur Bewältigung einer einheitlichen Arbeits-