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Dr. Ernst Wagemann.
zur Schwächung des Deutschtums und vielleicht auch zum wirtschaftlichen und kulturellen Niedergang der Kolonisten i.
2. Die Monokultur.
Als bedenkliche Eigentümlichkeit der Kolonistenwirtschaft ist neben dem Raubbau die Monokultur zu nennen, die wie eingangs erwähnt, überhaupt die Wirtschastsverfassung des ganzen Landes kennzeichnet. Freilich kann von einer Monokultur nur insofern die Rede sein, als aus Espirito Santo fast nur Kaffee exportiert wird und als auch die Produktion für den inneren Markt sich nur auf wenige Güter beschränkt. Für die Kolonisten ist dieser Zustand jedenfalls nicht sehr gefährlich, weil sie ja ganz vorwiegend Eigenwirtschaft treiben. Wenn sich der Ertrag aus dem Kaffeebau infolge schlechter Ernten oder sinkender Preise verringert, so bedeutet das für sie nur eine Schmälerung in der Befriedigung von Luxusbedürfnissen. Man kann es daher verstehen, daß sie sich bisher nicht bemühen, nach anderen Exportkulturen Umschau zu halten, zumal der Kaffeebau ein sehr bequemer Produktionszweig ist. Zwar erfordert die Anlage der Kaffeeberge viel Arbeit und Sorgfalt, aber ihre spätere Pflege sowie das Ernten und die Aufbereitung verursachen wenig Arbeit.
Darüber besteht aber kein Zweifel, daß diese Einseitigkeit den wirtschaftlichen Fortschritt hemmt und die Kolonisten in der Eigenwirtschaft und in ärmlichen (wenn auch behäbigen) Verhältnissen gefesselt hält. Welche neuen Kulturen in Espirito Santo in Angriff genommen werden könnten, ist aber noch eine offene Frage. Zunächst könnte man jedenfalls die Produktion für den inländischen Konsum steigern; Tabak, Reis, Vieh usw. brauchten nicht importiert zu werden. Das würde aber nicht genügen; die Hauptsache wäre es, neue Exportprodukte zu finden.
Es scheint nun, daß in Espirito Santo für den Kakaobau vielerorts sehr günstige Bedingungen bestehen. Von brasilianischen Fazendeiros ist auch bereits der Versuch gemacht worden, ihn einzuführen. Der kommerzielle Erfolg ist aber bisher ausgeblieben. Denn als Märkte kommen heute nur Rio de Janeiro und Bahia in Betracht; die Transportkosten dorthin werden daher den Produzenten auch dann in
' Vgl. die Aufsätze von Pfarrer Grimm über Espirito Santo.