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Teil 5 (1915) Die deutschen Kolonisten im brasilianischen Staate Espirito Santo / von Ernst Wagemann
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Die deutschen Kolonisten im brasilianischen Staate Espirito Santo. 71

Kolonisten vor allem durch ihre andere Dachart. Die Schweizer bauen zuweilen sennhüttenartig und an den steilsten Abhängen, während der Pommer deü ebenen Platz bevorzugt.

10. Der Turnus.

Vergegenwärtigen wir uns zum Schluß, wie sich die verschiedenen Arbeiten über das Jahr verteilen! Am klarsten gliedert sich die Kolo­nistentätigkeit im Tieslande, wo die Ernte sich auf einen kurzen Zeit­raum konzentriert. Hier haben wir wie folgt zu unterscheiden:

1. Urbarmachung des Waldlandes (Waldschlagen und -brennen): Mitte Juli bis Ende September. Dauer: gut 2 Monate. Schwere Arbeit.

2. Pflanzzeit: Ende September bis Mitte November. Dauer 56 Wochen. Meist leichte Arbeit; oft muß sie allerdings infolge der Regenverhältnisse auf kurze Zeit zusammengedrängt werden.

3. Pflege, insbesondere Reinigung der Kulturen: Anfang No­vember bis Mitte Dezember. Dauer 45 Wochen. Im ganzen leichte Arbeit. Doch beschwerlich infolge der Hitze, besonders wenn es sich um hochstehenden Mais handelt.

4. K e i n e L a n d a r b e i t in der heißesten Zeit: Mitte Dezember bis gegen Ende Februar. Man beschäftigt sich in Haus und Hof mit Reparaturen, mit der Herstellung von Ställen, Zäunen, Geräten (Tischen, Stuhlen, Trögen), Maschollen. Wenn nicht gerade größere Neubauten errichtet werden müssen, macht man sich's in dieser Zeit bequem.

5. Ernte. Mitte, Ende Februar: Reisernte; März, April: Maisernte, die so rasch wie möglich vor sich gehen muß, damit die Körner von Vögeln und anderem Getier nicht gefressen werden; Kaffee­ernte: Mai, Juni, Juli, unter Umständen noch August, hauptsächlich Juni. Zwischendurch werden einige Tage darauf verwandt, das übrige zu ernten: Tajoben usw.

Die Ernteperiode wird unterbrochen durch die Pflanzzeit für Bohnen. Auch pflanzt man gern noch ein wenig Aipim. Sehr häufig werden um diese Zeit Kaffeeberge angelegt. Zuweilen erfolgt im Fe­bruar neuer Waldschlag, aber nur ausnahmsweise.

Im Hochland ist der Turnus ein wenig anders. Im allgemeinen kann man sagen, daß je höher die Lage und je kälter infolgedessen das Klima, desto eher mit dem Waldschlag und dem Pflanzen be-