Teil eines Werkes 
Teil 5 (1915) Die deutschen Kolonisten im brasilianischen Staate Espirito Santo / von Ernst Wagemann
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Dr. Ernst Wagemann.

der Schwere des Hammers langsamer oder schneller vor sich, gewöhn­lich in Zeiträumen von 1020 Sekunden, also recht gemächlich. Aber die Einrichtung hat den Vorzug, keinerlei Aufsicht zu erfordern. Durch das Stampfen lösen sich die Schalen von den Bohnen, wobei freilich manche Bohnen zerbrochen und andere nur ungenügend von der unter der Pergamenthaut sitzenden Silberhaut befreit werden.

Bei größeren Betrieben bedient man sich statt der Mascholle einer Stampfmühle, bei der statt des einen Hammers mehrere Hämmer an­gebracht sind, die durch ein Wasserrad abwechselnd gehoben und fallen gelassen werden. Ein solches Stampfwerk leistet nur quantitativ, aber nicht qualitativ mehr als die Mascholle.

Schließlich werden die mit den zerstoßenen Schalen gemischten Bohnen auf flache, aus Rohr geflochtene Siebe geschüttet, die man schwingt, wodurch sich die schweren Körner von den leichten Schalen trennen. Bei größeren Betrieben verwendet man statt dessen einen Ventilator, der ebenso konstruiert ist wie bei uns die Kornreinigungs­maschine, nur daß die Maschen der Drahtsiebe der Kaffeebohne ent­sprechend geflochten sind.

5. Die Mais- und die Kürbiskultur.

Der Mais wird angebaut:

1. als Hauptfrucht mit untergebautem Kürbis,

2. als Zwischenpflanze auf Kaffeeland (12 Ernten),

3. auf Weideboden, was aber wenig in Betracht kommt.

Gepflanzt wird in der Weise, daß man zunächst mit der Hacke

in Abständen von etwa einem Schritt Löcher auswirft, die je 4 oder 5 Maiskörner aufnehmen müssen und dann mit dem Fuße zu­gescharrt werden.

Als gute Ernte gilt 150fältiges Korn; 200fältiges schon als sehr gute. In Santa Leopoldina, bei den Holländern, wo der Boden weniger fruchtbar ist, pflegt sich der Ertrag nur auf das 50lOOfache der Saat zu belaufen. Ein Kolonist erntet durchschnittlich, sagen wir, 50100 Sack zu 80 Liter. Davon werden ein paar Sack zu Brot verarbeitet, während der Rest als Viehfutter dient. In den ersten Jahren einer Ansiedlung, solange der Kaffee noch keinen Ertrag gibt, wird der Mais auch verkauft und bildet oft die hauptsächlichste Einnahmequelle. Später wird er nur für den eigenen Bedarf angebaut.